Macchiavell’s
und  seiner  Nachfolger  Deutung  des  Imperialismus.

Dem  Imperialismus  soll  hiermit  keine  Rettung  widerfahren,
wie  sie  die  menschenfreundliche  und  weltbürgerliche  Gesinnung
der  modernen  Litteratur  schon  mancher  historischen  Person
gewidmet  hat.  Die  Armen,  die  verwundet  von  der  Nachrede
und  Feindschaft  ihrer  Zeitgenossen  am  Wege  der  Geschichte
lagen,  hatten  zuweilen  das  Glück,  dass  sie  die  Theilnahme
vorübergehender  Samariter  erweckten  und  ihre  Wunden,  unter
der  pflegenden  Hand  ihrer  Retter  gereinigt,  sich  wieder  schliessen
konnten.  Die  imperialistischen  Perioden  unserer  Geschichte
stehen  aber  hoch  über  persönlicher  Feindschaft  wie  Freundschaft
und  haben  so  tief  und  befruchtend  in  unsere  Geschicke  eingegriffen,
  dass  ihnen  gegenüber  von  Rettung  und  Samariterthum
nicht  die  Rede  sein  kann.

Dreimal  haben  sie,  wie  ein  leuchtender  und  brennender
Gürtel,  die  ganze  Culturwelt  ihrer  Zeit  umschlossen,  mit  Schauern
und  Gewittern  das  Alterthum,  welches  sie  vorfanden,  zerschmolzen
und  in  Fluss  gebracht  und  dem  edeln  Kem  für  seine  Triebkraft
einen  freien  Raum  bereitet.

Die  erste  Erscheinung,  unter  dem  vorbereitenden  Vortritt
der  macedonischen  Phalanx,  pflanzte  die  griechische  Cultur  an
die  Ufer  des  Euphrat,  Nil  und  Jordan  und  vermählte  die
ordnende  Kraft  der  hellenischen  Weisheitsschulen  mit  den  Wundern
der  vorderasiatischen  Religionsbilder.

Cäsar’s  Schwert  und  des  Augustus  Friedenswerk,  die  zweite
Erscheinung  des  gewaltigen  Weltgestirns,  ergänzten  die  orientalische
  Arbeit  des  Macedoniers.  Sie  öffneten  das  Abendland  der
im  geistigen  Centralpunkt  des  Ostens,  Alexandria,  unter  mysti-