Macchiavell’s  und  seiner  Nachfolger  Deutung  des  Imperialismus.  5

schen  Feiern  der  egyptischen  Asceten  vollendeten  Verschmelzung
des  Orients  und  der  griechischen  Philosophie;  römischer  Ernst
aber,  römische  auf  persönliche  Concentration  ausgehende  Kraft
verwebte  die  orientali  iechischen  Elemente  und  Fäden  zum
historischen  Gewand  des  Christenthuma.

Als  Gallien,  die  Stätte  für  die  spätere  Erneuerung  des
macedonischen  und  römischen  Imperialismus  genügend  mit  dem
geistigen  Nachlass  des  Alterthums  gesättigt  war,  konnte  das
römische  Reich  zur  Ruhe  eingehen.  Indessen  zogen  die  aus  der
Halle  der  griechischen  Philosophen  und  aus  dem  Verein  der
Jordan-  und  Nil-Asceten  hervorgegangenen  Christenboten  nach
dem  Norden,  vertauschten  den  Philosophenmantel  mit  dem  Priestergewand,
  stritten  unter  kirchlicher  Tiara  für  ein  geistliches
Imperium,  räumten  aber  den  Vordergrund  der  Scene,  als  in  der
Renaissancezeit  die  weltliche  Geschichtsforschung  und  die  Naturwissenschaft
  sich  meldete.

Die  erste  Frage  der  erwachenden  Forschung  war  auf  die
Bedeutung  des  römischen  Imperialismus  gerichtet  und  seitdem
beschäftigte  sich  die  historische  Wissenschaft  mit  der  Aufstellung
des  Gesetzes,  welches  den  Lauf  dieses  Gestirns,  seine  Phasen
und  seine  unausbleibliche  Wiederkehr  bestimmt.  Niccolo
Macchiavelli,  der  Bahnbrecher  für  diese  Forschung,  fühlte  das
Nahen  einer  Umwandlung,  welche  der  eäsarischen  Zeit  der
Römer  entsprechen  würde,  und  verband  das  Geschäft  der  historischen
  Untersuchung  mit  dem  Wagniss  der  Weissagung  und  des
politischen  Neuerers.  Für  die  ganze  romanische  Welt  erkannte
er  die  Nothwendigkeit  eines  Retters  und  Verjüngers;  Italien
sollte  sich  zunächst  mit  einem  fürstlichen  Dietator  begnügen.

Die  Studien  dieses  epochemachenden  Mannes  wurden  in  den
nächsten  Jahrhunderten  auf  romanischer  Seite  fortgesetzt,  seine
Lichtblicke  durch  neue  Beleuchtungen  des  geschichtlichen  Mysteriums
  erweitert,  während  an  der  Seite  dieser  Forscher  eine
Schaar  von  Entdeckern  an  der  Formulirung  der  Naturgesetze
arbeitete.

In  dem  Kreis  von  selbständigen  Forschern  und  Entdeckern,
der  sich  nach  der  napoleonischen  Erneuerung  der  griechischen
und  römischen  Dietatur  noch  erweiterte,  wiederholte  sich  das
Schauspiel,  welches  unter  den  Imperatoren  des  Alterthums  die
Welt  belebte  und  mit  leuchtenden  Genien  erfüllte.  Die  imperialistischen
  Zeitalter  üben  ihre  Kraft  der  Üentralisation  nicht