16  Der  „märkische  Junker“  Franz  Ziegler’s  und  der

schaft  der  bewehrten  Adligen  Gleicher  unter  Gleichen,  führte
wie  sie  als  Oberster  und  Hauptmann  selbst  sein  Regiment  und
seine  Compagnie,  war  Kamerad  der  Offiziere  gleichen  Rangs  und
Vater  der  Lieutenants  und  Fähndrichs,  die  zu  jener  adligen
Kameradschaft  wie  auf  das  höchste  Ziel  ihres  Strebens  hinaufsahen.


Der  Oberst-  und  Hauptmann-König  banquettirte  mit  Junker-Obersten
  und  -Hauptleuten  nach  den  Potsdamer  Uebungen  und
Revuen  und  war  glücklich,  wenn  sie  sich  beim  Weinglase  vermaassen,
  mit  ihrem  Bataillon  oder  gar  mit  ihrer  Compagnie  ein
ganzes  feindliches  Regiment  in  die  Pfanne  zu  hauen.

Der  wilde,  von  der  Disciplin  dressirte  Verein  war  eine  bewaffnete
  Vehme,  die  sich  zum  Richter  über  die  Nachbaren  berufen
  glaubte.  Zum  ersten  Kreuz-  und  Gerichts-Zug  ging  die
militärische  Genossenschaft  aus,  als  der  König  wie  sein  Vetter
Georg  von  Hannover  aufbrachen,  um  sich  von  den  deutschen
Besitzungen  ihres  Bruders  Karl  XII,  der  in  der  Türkei  die
Lösung  der  orientalischen  Frage  in  der  südlichen  Flanke  Russlands
  studirte,  einige  Fetzen  loszureissen.

Das  waren  in  ihren  Anfängen  die  Nonchalance  und  der
„holde  Leichtsinn“,  welche  Ziegler  am  märkischen  Blute  bewunderte.


Hesekiel  erzählt  mit  behaglicher  Ausführlichkeit,  wie  sich
in  Bismarck  schon  frühzeitig  dieselben  Tugenden  des  Blutes
hervorthaten.  So  überrascht  er  als  angehender  Student  in  Göttingen
  den  dortigen  Universitätsrichter,  vor  den  er  wegen  der
lärmenden  Feier  seines  Einzugs  geladen  war,  in  einer  Phantasietracht,
  deren  Zierde  ein  geblümter  Berliner  Schlafrock  war.  Als
Auscultator  am  Berliner  Stadtgericht  fühlte  er  sich  gereizt  und
wurmt  es  ihn,  dass  der  Gerichtsrath  ihm  seine  Drohung  gegen
einen  allzu  dreisten  Vorgeladenen,  er  würde  ihn  sofort  hinanswerfen,
  verwies  und  dies  Geschäft  für  sein  Urtheil  und  Ressort
in  Anspruch  nahm;  augenblicklich  übt  er  Revanche  und  droht
dem  Vorgeladenen,  da  derselbe  wieder  übermüthig  ward,  er
würde  ihn  durch  den  Herın  Rath  hinauswerfen  lassen.  Als  Referendar
  bei  der  Regierung  in  Potsdam  vergilt  er  dem  Chef,
der  ihn  beim  Eintritt  in  seine  Behausung  nicht  bemerken  wollte
und  fortfahr,  an  seinem  Fenster  zu  trommeln,  diesen  Mangel
an  Rücksicht  durch  gleiche  Nichtbeachtung  und  stellt  sich  neben
ihn,  um  an  demselben  Fenster  den  Dessauer  Marsch  aufzuspielen.