„märkische  Vasall"  Georg  Hesokiel's,  17

Mit  derselben  Ungeniertheit  holt  er  auf  der  Tribüne  des  Vereinigten
  Landtags,  in  der  Sitzung  vom  17.  Mai  1847,  als  das
Murren  der  Versammlung  seine  royalistische  Deutung  der  Erhebung
  des  Jahres  1813  übertäubte,  das  neueste  Zeitungsblatt
aus  der  Tasche  und  las  nachlässig  hingelelnt  in  demselben,  bis
ein  Augenblick  der  Ruhe  ihm  die  Wiederholung  scines  Satzes
erlaubte.

So  regte  sich  damals  der  Bismarck  der  späteren  Conflietszeit.


Von  seiner  Frankfurter  That,  wie  er  den  Grafen  Thun
für  die  Familiarität  seines  Empfanges  damit  straft,  dass  er  aus
seiner  Tasche  eine  Cigarre  nimmt  und  Se.  Excellenz  um  Feuer
bittet,  sagt  zwar  Hesekiel,  wenn  die  Geschichte  nicht  wahr  ist,
so  könnte  sie  doch  wahr  sein.  Sie  ist  aber  als  Vorandeutung
der  antiösterreichischen  Erfolge  des  Staatsmanns  in  die  Volksbücher
  übergegangen  und  zum  Range  jenes  Bravourstücks  erhoben,
  in  welchem  der  Brandenburgische  Gesandte  in  Regensburg,
  Herr  von  Plotho,  beim  Beginn  des  siebenjährigen  Krieges
die  Reichsverfassung  als  altes  Eisen  behandelte  und  den  Dr.
April,  der  ihm  im  Auftrage  des  kaiserlichen  Reichshofraths
die  Reichsachtserklärung  gegen  seinen  Herın  überbrachte,  die
Treppe  hinunterwarf.

Das  Gefühl  ihrer  eigenen  Kraft  erfüllte  die  gekrönten'
Junker  des  vorigen  Jahrhunderts  mit:  einem  Uebermuth,  der  sich
oft  in  burlesken  Streichen  Luft  machte.  Bei  Peter  dem
Grossen  nüherten  sich  diese  Geniestreiche  zuweilen  dem  Humor,
  z.  B.  in  den  Maskeraden  und  possenhaften  Aufzügen,  in
denen  er  die  alte  Zeit  seines  Volks  und  dessen  Kirche  dem
Spotte  preisgab.  Friedrich  Wilhelm  dem  Ersten  ward
seine  Kraftfülle  für  ihn  selbst  wie  für  seine  Umgebung  zur
Plage.  Virtuos  des  spanischen  Rohrs,  mit  dem  er,  wie  sein
Bruder  in  Russland,  der  Trägheit  der  damaligen  Justizübung
eigenhändig  abhalf,  vergnügte  er  sich  als  Kronprinz  damit,  auf
seinen  Pagen  und  Lakaien  im  Zimmer  umherzureiten  und  sie
nach  dieser  Motion  zur  Thüre  hinauszuprügeln.  Der  Stock  war
nach  seinem  Regierungsantritt  das  patriarchalische  Scepter,  mit
dem  er  in  den  Strassen  der  Hauptstadt  Ordnung  hielt,  die  nach
seiner  Ansicht  müssigen  Passanten  vertrieb  und  die  Ausreisser,
die  sich  vor  seiner  Annäherung  flüchteten,  also  die  Unterthanenliebe
  verleugneten,  einholen  liess  und  je  nach  Laune  abstrafte

Bauer,  Dismarck’sche  Ära,  2