18  Der  „märkische  ‚Junkerer“  Franz  Zieglor's  und  der

oder  in  der  Liebe  zum  Landesherrn  unterrichtete.  Morgenstern
  erzühlt  in  seiner  classischen  Schrift  „über  Friedrich  Wilhelm
  1.“  (Berlin  1793),  wie  er  einen  Tanzmeister  als  solchen
lieblosen  Ausreisser  aus  dem  Hause,  in  welches  er  sich  rettete,
herausholen  und  nach’  einem  strengen  Examen  auf  der  Stelle
eine  Sarabande  tanzen  liess.  Voltaire  schmückt  den  Eingang
zu  seiner  Schrift  über  das  Privatleben  Friedrich's  II.  mit  einigen
Zügen  der  Derbheit,  welche  der  Vater  seines  Helden  bei  dieser
Revision  der  Strassen  an  den  Tag  legte.  Auch  der  ständige
Seoretair  der  Berliner  Akademie  der  Wissenschaften,  Formey,
erzählt  in  seinen  „Souvenirs  d’un  eitoyen“,  wie  der  königliche
Herr  in  seinem  Tabakscollegium  sich  des  „Spasses*  rühınte,
wenn  er  einen  der  französischen  Geistlichen,  die  er  insgesamnit
nicht  leiden  konnte,  auf  der  Strasse  recht  jagdgemäss  gestellt
und  attaquirt  hatte.

In  dem  genannten  Tabaksoollegium,  einer  Art  Offiziers-Casino
  in  dem  königlichen  Gemach  und  unter  Vorsitz  des  Königs,
  war,  wie  Morgenstern  sich  ausdrückt,  „das  wenige  Wissen,
welches  die  königliche  Gesellschaft  zusanımenbrachte,  bald  erschöpft
  und  obwohl  der  herrliche  Abschluss  schon  gemacht  war,
dass  alle  Menschen,  die  was  wüssten,  Narren  seien,  fiel  dem
König  doch  bei,  dass  man  einen  haben  müsste,  der  ihnen  vorplauderte
  und  Anlass  zum  Sprechen  gab.“  Der  Kunstausdruck
für  das  Geschäft  dieser  Aushelfer  war  das  „Haseliren,‘  —  im
activen  Sinne  des  Wortes,  gelehrter  Vortrag  im  Kleide  der
Narrheit,  —  im  passiven,  das  Erdulden  der  übermüthigen  Einfälle
  der  Herren,  selbst  auf  Kosten  von  Gesundheit  und  Leben.
Entweder  wurden  sie,  wie  Gundling,  zu  Tode  gehetzt  oder  entzogen
  sich  den  Strapatzen  durch  die  Flucht.  Morgenstern,  der
zuletzt  an  die  Reihe  kam  und:  sich  durch  einige  Behauptung
seiner  persönlichen  Würde  aufrecht  erhielt,  musste  sich  doch
dazu  hergeben,  1735  in  der  Aula  der  Universität  Frankfurt  an
der  Oder,  in  Gegenwart  des  Königs  und  nach  militärischer  Herbeiholung
  der  Professoren  den  Satz  des  gleichfalls  anwesenden
Tabakscollegiums  von  der  Narrheit  der  Gelehrten  zu  verteidigen.

Friedrich  II.  verstand  sich  nicht  weniger  auf  den  muthwilligen
  Schabernack  und  seine  Meisterschaft  in  dieser  Kunst
war  hauptsächlich  daran  schuld,  dass  seine  französischen  Tischgenossen
  ihren  Gott  segneten,  wenn  sie  wieder  weit  aus  dem
Schuss  waren.  Männer  wie  Zieten  und  Seydlitz  verstanden  es