„märkische  Vasall“  Georg  Hesekiel's.  19

jedoch  durch  einen  Blick  des  Auges  ihren  Kriegsherrn  dahin  zu
bringen,  dass  er  die  Geschosse  seines  Übermuths  im  Köcher
behielt.  Der  General  von  Kleist,  welcher,  im  siebenjährigen
Krieg  von  Leipzig  aus  zum  Brandschatzen  ins  Reich  beordert,
eine  anzügliche  Anspielung  des  Auftraggebers  auf  sein  einträgliches
  Geschäft  nicht  mit  auf  die  Reise  nehmen  wollte,  legte  die
Hand  an  den  Säbel  und  zog  ihn  etwas  heraus,  als  der  König
im  Laufe  des  Disputs  den  Stock  erhoben  hatte.  „Ich  setze  mich
nur  in  Bereitschaft  gegen  etwas,  was  ich  nie  werde  geschehen
lassen,“  rief  der  General,  als  ihn  der  König  anfuhr:  „Herr,  was
macht  er  da?“  Indessen  wurde  er  nach  einem  Arrest  von  drei
Tagen  zum  Marsche  ins  Reich  losgelassen.  (Siehe  von  Kaltenborn
  „Briefe  eines  preussischen  Officiers,  verschiedene  Charakterzüge
  Friedrich’s  des  Einzigen  betreffend,"  Hohenzollern.  1790.)

Die  ersten  Jugendübungen  Bismarck’s  im  Fach  der  Courage
  und  des  Übermuths  gingen  für  ihn  noch  ungeahndet  vorüber,
  da  die  Betroffenen  es  nicht  der  Mühe  für  werth  hielten,
sich  ihm  gegenüber  mit  gleicher  oder  grösserer  Courage  zur
Geltung  zu  bringen.  Am  Sitz  des  Bundestags  traten  ihm  aber
Menschen  und  Dinge  mit  einer  Schwerfälligkeit  und  Massenhaftigkeit
  entgegen,  wie  er  nicht  erwartet  hatte.  Er  war  mit
einem  feurigen  Thätigkeitstrieb  und  mit  grossen  Vorsätzen  nach
Frankfurt  gekommen.  Für  das  Zusammenwirken  mit  ÖOesterreich
  ernsthaft  gestimmt,  wollte  er  zugleich  Preussen  eine,  der
Macht  und  den  Interessen  desselben  entsprechende  Stellung
innerhalb  der  deutschen  Verhältnisse  verschaffen.  Sehr  bald  sah
er  aber,  dass  im  laufenden  Tagesgeschäft  für  seine  auf’s  Grosse
gehende  Arbeitslust  kein  Raum  und  auch  die  herrschende  Vorstellung,
  welcher  Preussen  nur  als  das  fünfte  Rad  am  Bundeswagen
  galt,  so  leicht  und  einfach,  wie  er  anfangs  dachte,  nicht
zu  erschütten  war.  Schon  zur  Zeit  von  Kalafat  und  Sinope
steht  er  dem  Frankfurter  Treiben  (bei  Hesekiel  p.  384)  mit  dem
Gefühl  „gähnender  Unschuld  und  in  der  Stimmung  gänzlicher
Wurschtigkeit“  gegenüber  und  hofit  er,  dass  „das  bekannte
Lied  Heine's  „o  Bund,  Du  Hund“  bald  durch  allgemeinen  Beschluss
  zum  Nationallied  der  Deutschen  erhuben  werden  wird.“
Das  Gefühl,  mit  dem  er  seinen  Österreichischen  Oollegen  am
Bundestage  gegenüberstand,  schilderte  er  nach  mehr  als  zwanzig
Jahren  in  seiner  Reichstagsrede  vom  19.  Februar  1878  mit  der
freundlichen  Erinnerung,  er  habe  ihnen  gesagt:  „es  ist  mir

ge