„märkische  Vasall“  Georg  Hesekiel’s.  21

In  gleicher  Stimmung  schreibt  er  in  demselben  Briefe  wegen
eines  Andern,  an  dem  er  Interesse  nimmt:  „Grüsse  ihn;  er  soll
nur  nicht  die  Ohren  hängen  lassen.  Es  ist  doch  Alles  nur
Kaff.*

“Gerade  in  solchen  Augenblicken  aber,  wo  er  am  Ende  der
Welt  und  im  Leeren  steht,  auch  nichts  mehr  von  der  laufenden
Welt  haben  und  Allem  den  Abschied  geben  will,  ist  er  am  beschäftigtsten
  und  sucht  er  den  Punkt,  wo  er  das  Eigentliche
leisten  will.  Indem  er  stille  hält  und  dem  Lauf  der  Welt  uninteressirt
  zusieht,  lüsst  er  es  vielmehr  darauf  ankommen,  welches
Band  sie  ihm  in  die  Hand  gleiten  lassen  will,  an  dem  er  sie
fester  als  vorher  fassen  kann.

Jener  Brief  vom  12.  November  1858  ist  voll  von  Andeutungen
  solcher  List  und  Hoffnung  mitten  in  der  Entsagung.  Nur
„Trahig  Blut,“  schreibt  er  denen  die  vom  Wirrwarr  des  Rätlısels,
welches  auch  ihnen  noch  ungelöst  gegenübersteht,  erschreckt
werden,  „die  Sache  wird  sich  schon  machen.“  Sein  Spruch
lautet  (ebendaselbst)  „vogue  la  galere.“  Was  kann  er  in
Schönhausen,  „unter  dessen  Kanonen  er  sich  nöthigenfalls  zurückziehen
  will,“  anders  thun,  als  sich  hinstrecken  und  in  die
Luft  sehen  und  erwarten,  welchen  Leitfaden  sie  ihm  zutragen
wird?  Freund  des  Farniente  und  immer  im  Sinnen  und  Trachten”
begriffen,  träge  und  beständig  angespannt,  für  die  Unabhängigkeit
  gestimmt  und  gleichwohl  darauf  aus,  alles  um  ihn  herum
zur  Abhängigkeit  zu  beugen,  würde  er  vom  Erker  Schönhausens
nur  ausschauen,  ob  der  Wirrwarr  draussen  ihm  die  Handhabe
zum  Eingreifen  bietet.

Friedrich  II.  hatte  zuletzt  Augenblicke,  in  denen  er  es
satt  hatte,  „über  Sklaven  zu  herrschen,“  aber  er  selbst  ein  Sklave
des  Mechanismus,  drehte  bis  zum  letzten  Augenblick  seines
Lebens  an  der  Kurbel  seiner  Staatsmaschine  fort.  Sein  jovialerer
Vater,  Friedrich  Wilhelm  I,  malte  während  der  beiden
letzten  Jahre  seiner  Regierung  in  den  vertrauten  Gesprächen
und  Punktationen  mit  Morgernstern  den  Plan  und  festen  Entschluss
  aus,  wie  er  sich  nach  Holland  zurückziehen,  dort  im
braunen  Bürgerrock.  und  in  Zwickelstrümpfen,  frei  mit  freien
Leuten  sich  unterhalten  und  die  holländische  Pfeife  auf  ihrem
heimischen  Boden  rauchen  wird.  In  der  dortigen  Ruhe  und
Einsamkeit  wollte  er  aber  eigentlich  erst  von  vorne  anfangen,
den  Traum  seiner  Jugend  sich  erfüllen  sehen,  den  Lieblingsposten