22  Der  „märkische  Junker"  Franz  Ziegler’s  und  der

seiner  Wünsche,  die  Stelle  des  Generalcapitäns  der  niederländischen
  Union  erringen  und  endlich  wie  Wilhelm  III.,  der  Gönner
  seiner  Knabenzeit,  die  vereinigten  Armeen  Europa’s  commandiren.


Commandiren,  —  ja,  wenn  man  commandiren  könnte,  klingt
es  in  Bismarck’s  Seele  auch  in  dem  Augenblicke,  wo  er  schon
dicht  am  Erfolg  steht.  „Ich  wollte  schon  fertig  werden  mit  den
Parisern,  ruft  er  am  4.  December  1870  nach  des  Dr.  Busch
Tagebuch,  als  es  ihm  mit  dem  Beginn  der  Beschiessung  von
Paris  zu  lange  währte,  aber  das,  was  hinter  mir  steht,  hinter
meinem  Rücken,  oder  vielmehr,  was  mir  auf  der  Brust  liegt,
dass  ich  nicht  athmen  kann,  —  —  ja  wenn  man  Landgraf
wäre.  Das  Hartsein,  traue  ich  mir  zu.  Aber  Landgraf  ist  man
nicht.“  Der  fortwährende  Druck  derselben  Situation  entpresst
ihm  am  24.  December  den  Ausruf:  „Wenn  ich  Officier  geworden
wäre,  —  ich  wollte,  ich  wäre  es,  —  so  hätte  ich  eine  Armee
und  da  ständen  wir  nicht  vor  Paris.“

Auf  einem  Durchfluge  durch  Westfriesland  (im  August  1853)
erweckt  in  Bismarck  der  Anblick  des  flachen  Landes,  wo  alles
„buschig,  grün,  um  jedes  Bauernhaus  ein  Wäldchen“  ist,  die
Sehnsucht  nach  der  „stillen  Unabhängigkeit.“  Die  Träume
des  stillen  Landhauses  würden  ihm  doch  immer  nur  die  rechte
Idee  und  das  Stichwort  zum  Aufspringen  und  Commandiren
bringen.

Nonchalance  und  Courage,  Zwecklosigkeit  und  Berechnung,
die  Welt  laufen  lassen  und  Kritik,  Glück  und  Verstand,  Ruhe
des  Abwartens  und  Bereitschaft  zum  Eingreifen,  Übermuth  und
Absicht,  Gleichmuth  und  durchdachte  Intrigue,  sind  bei  ihm  nur
wechselnde  Metamorphosen  eines  und  desselben  Gemüthszustandes.

Das  Schlimmste  für  ihn  ist  nur,  dass  er  sich  nicht  ganz
ausruhen  und  die  Pfeile  seines  Geistes  sammeln  und  bereit
legen  kann.  Als  er  mit  dem  Erfolg  des  Friedens  aus  Frankreich
  gekommen  war  und  ihm  am  19.  April  1871  eine  Deputation
  das  Ehrenbürgerrecht  der  Stadt  Görlitz  brachte,  klagte
er,  nach  einem  Bericht  des  „Görlitzer  Anzeigers,"  „wie  angegriffen
  seine  Nerven  seien,  wie  er  übersatt  sei  und  wie  es  auch
schwer  halte,  Allen  es  recht  zu  machen;  er  würde  sich  gerne
pensioniren  lassen  und  nach  Görlitz  ziehen,  denn  er  wisse,  dass
es  sich  da  gut  lebe.“  Für  die  guten  Görlitzer  kam  die  Nutzanwendung
  dieser  Rede  in  der  Mahnung,  es  werde  sich  alles