„märkische  Vasall“  Georg  Hesckiel’s.  23

noch  ausgleichen  und  organisiren,  es.  gehöre  nur  Zeit  dazu,
man  müsse  nicht  zu  viel  auf  einmal  verlangen;  sein  Gedanke
war:  Ruhe  —  Ruhe,  —  dann  lässt  sich  noch  alles  machen.
Als  Hesekiel  sein  Buch  abschloss,  waren  ihm  bereits  einige
Zweifel  an  der  preussischen  Correctheit  seines  Helden  aufgestiegen.
  Er  nennt  das  Misstrauen  der  alten  conservativen  Partei
gegen  die  Ungethüme  des  Liberalismus  und  Parlamentarismus,
welche  der  Kanzler  in  seine  Mitstreiter  verwandelt  hatte,  ein
gerechtfertigtes,  und  tröstete  sich  nur  noch  damit,  dass  seine
Partei  die  „grossen  Opfer,  die  sie  dargebracht  hat,  und  täglich
bringt,  doch  dem  glorreiohen  Königthum  von  Preussen“  widme.
Allmählich  gingen  ihm  aber  die  Augen  darüber  auf,  dass  auch
diese  Partei  wie  jene  verhassten  Ungethüme  nur  im  Dienst  des
Kanzlers  und  als  Gespann  an  seinem  Triumphwagen  ein  dürftiges
  Dasein  fristen  könne  und  schon  dem  Untergange  bestimmt
sei.  Die  Verkündigung  des  deutschen  Kaiserthums  stimmte  ihn
endlich  völlig  um  und  er  sah  in  demselben,  wie  der  ihm  einige
Wochen  nach  seinem  Tode  gewidmete  Nachruf  der  Kreuzzeitung
berichtete,  den  Untergang  Preussens  und  dessen  Königthums.  Es
ging  ihm  wie  dem  Dichter  Virgil  und  er  hätte  wie  dieser  sein
prosaisches  Epos  von  dem  Stifter  des  neuen  Bundes  gern  verbrannt,
  wenn  solch’  ein  Opfer  des  Missmuths  über  ein  verfehltes
Unternehmen  bei  der  weiten  Verbreitung  seiner  Arbeit  möglich
gewesen  wäre.  Am  schmerzhaftesten  wird  ihm  die  Gewissheit
gewesen  sein,  dass  sein  Held  das  unglückliche  Epos  keineswegs,
als  ein  zweiter  Augustus,  dem  Flammentode  entrissen  hätte.
Wenden  wir  uns  nun  zu  einem  national-liberalen  Virgil.

II.

Ludwig  Bamberger’s  „Herr  von  Bismarck.“

Die  Menschengruppen  und  -Schichten  sind  seit  den  letzten
Jahren  so  durcheinander  geworfen  und  gerüttelt  worden,  dass
uns  Hesekiel’s  Auffassung  des  Mannes,  welcher  zu  diesem  Wirrwarır
  den  letzten  Anstoss  gegeben  hat,  fast  den  Eindruck  des
Urweltlichen  macht.  Es  kommt  uns  wie  die  Reliquie  einer  verschütteten
  historischen  Schicht  vor,  wenn  wir  in  diesem,  neben
anderen  Biographieen  des  Staatsmanns  immer  noch  als  das  ein-