24  Ludwig  Bamberger's  „Herr  von  Bismarck."

zige  „denkende“  Wesen  dastehenden  Bilderbuch  von  Anfang  bis
zum  Schluss  dem  Junker  begegnen,  der  als  „treuer  Lehnsmann“
  gegen  die  Feinde  des  Königthums  in  den  Kampf  gezogen
  ist.

Ebenso  altväterlich  präsentirt  sich  uns  das  Beispiel,  welches
Ziegler  in  der  erwähnten  Humoreske  von  der  Macht  des  preussischen
  Königthums  und  von  der  Fähigkeit  seines  Gefolges  zur
Ausführung  jedes  beliebigen  Auftrags  uns  vor  ‚Augen  führt.
Nur  ist  dieses  Bild,  wie  der  Junker,  der  noch  keine  Note  verstände,
  wenn  ihn  der  König  zum  Musikdirector  berufen  wollte,
sogleich  Folge  leisten  und  sich  im  Amte  tüchtig  zeigen  würde,
die  romantische  Übertreibung  einer  Causerie,  weiche  der  Kanzler
in  einer  seiner  parlamentarischen  S  t  terhalt
während  der  Blüthezeit  des  norddeutschen  Bundes  seinen  Verchreım
  zum  Besten  gegeben  hatte.  Bismarck  hatte  als  Geschäfts-“
  mann  den  verständlichen  Beleg  für  den  magischen  Zusammenhang
  zwischen  König  und  Gefolge  angeführt,  dass  ein  General,
den  Vriedrich  Wilhelm  IV.  in  der  nachmärzlichen  Zeit  der
Kammer  auf  den  Leib  schicken  und  der  sich  wegen  seines
Mangels  an  Redebegabung  dem  Rufe  entziehen  wollte,  auf
Gebot  sich  zur  Verfügung  stellte  und  an  dem  Ministertisch  auch
als  Redner  seine  Schuldigkeit  that.

Bismarck  selbst  hat  sich  in  Übereinstimmung  mit  Hesekiel's
Auffassung  sowohl  den  Conflict-Kammern  gegenüber  wie  in  den
constitutionellen  Vertretungen  seiner  späteren  deutschen  Stiftungen
  jederzeit  als  den  Mann  des  Königs  vorgestellt,  die
Armee-Reorganisation  als  des  Königs  „eigenstes  Werk“  vertheidigt
  und  jeden  Versuch  der  Abgeordneten,  sich  in  die  auswärtigen
  Angelegenheiten  einzumischen,  mit  dem  Satz  zurückgewiesen,
  dass  die  Könige  von  ‚  Preussen  ihre  eigenen  Minister
des  Auswärtigen  sind.

Indessen  circulirten  schon  während  der  Conflietszeit  Phrasen,
die  auf  eine  Differenz  zwischen  ihm  und  der  Krone  hindeuteten
  und  dem  Glauben  Eingang  verschaffen  sollten,  dass  er
über  einem  Conflicte  stehe,  dessen  Folgen  für  die  Presspolizei
und  für  die  Unabhängigkeit  des  Richterstandes  das  Publikum
aller  Länder  gegen  ihn  eingenommen  hatten.  Eine  Pariser
Correspondenz  der  „Augsburger  Allgem.  Zeitung“  vom  16.  October
  1865  führte  während  der  damaligen  Biarritzer  Tage  seine
Nothlage  gegenüber  einem  König  und  einer  Kammer,  die  beide