Ludwig  Bamberger’s  „Herr  von  Bismarck.“  25

fest  auf  ihrer  Meinung  beharren,  als  eine  bekannte  Situation  an,
deren  bisherige  Beherrschung  von  seinen  Freunden  zur  Unterstützung
  des  Vertrauens  auf  seine  persönliche  Kraft  und  des
Glaubens  an  seine  umfassenden  deutschen  Pläne  benutzt  wurde.
Ein  halbes  Jahr  später  eröffneten  die  Verhandlungen  des
italienischen  Militärbevollmächtigten  Govone  in  Berlin  die  Aussichten
  zu  einer  Unternehmung,  die  über  den  Gesichtskreis  des
Kammer-Conflicts  hinausführte.e  Das  Berliner  Blatt,  welches
seit  dem  Beginn  des  Conflietts  an  der  Spitze  der  Opposition
stand,  deutete  in  den  letzten  Tagen  des  April  1866  an,  dass  der
Minister  „durch  ein  keineswegs  beneidenswerthes  Geschick  dazu
getrieben  sein  mag,“  einen  von  ihm  selbst  nicht  gewollten
und  nicht  beabsichtigten  Weg  zu  gehen,  und  um  sich  selbst  für
seine  grossen  liberalen  Absichten  zu  erhalten,  sich  zu  manchem
hergeben  musste,  was  mit  denselben  in  Widerspruch  zu  stehen
scheine.  In  den  folgenden  Tagen  des  Mai  schwang  sich  dasselbe
  Blatt  zur  Vermuthung  auf,  dass  zwischen  dem  Minister
und  der  „Kreuzzeitung“  eine  Kluft  liege  und  der  erstere  die
Conservativen  nur  hinter  das  Licht  führen  wollte;  endlich  wagte
es  in  einer  poetisch  gehaltenen  Ansprache  den  Wunsch,  er  möge
sich  nur  offen  und  rücksichtslos  dem  Liberalismus  zuwenden.
Jetzt  hielt  es  Bismarck  für  an  der  Zeit,  geradezu  hervorzutreten
  und  sich  mit  seinen  alten  Gegnem  zu  verständigen.
So  entstand  in  der  Unterredung,  zu  der  er  im  Anfang  des  Juni
1866  die  einflussreichsten  Mitglieder  der  Opposition  einlud,  der
Keim  der  nationalliberalen  Partei  und  der  doppelte,  zweiseelige
  Bismarck,  der  seitdem  ihr  Herr  und  ihre  Plage  ward.
Er  gewann,  ehe  die  Schlachten  in  Böhmen  seinen  Worten
Nachdruck  gegeben  hatten,  die  Zusicherung  ihrer  Unterstützung,
—  selbst  für  den  Fall,  dass  das  Kriegsglück  sich  nicht  sofort
für  ihn  entscheiden  würde.  Er  schüttete  ihnen,  wie  Bamberger
  in  dem  Bericht  über  diese  Besprechung  (in  seiner  Schrift:
„Herr  von  Bismarck,“  der  deutschen  Übersetzung  seiner  im
Februar  1868  in  der  Pariser  „Revue  Moderne“  erschienenen  Abhandlung,
  Breslau  1868)  sich  ausdrückt,  sein  Herz  aus.  „Mit
einnehmender  Offenheit  setzte  er  ihnen  auseinander,"  dass  er
sein  Ziel,  den  Bruch  mit  Oesterreich,  neben  einem,  „den  modernen
  Ideen  widerstrebenden,  von  aristokratischen  Einflüssen  umgebenen
  Herrn  und  Meister,“  nur  durch  unversöhnliche  Behauptung
  der  Armee-Reorganisation  erreichen  konnte.  Fragen  Sie