26  Ludwig  Bamberger’s  ‚‚Herr  von  Bismarck.“

nicht,  sagte  er,  warum  ich  diesen  von  mir  acht  Jahre  hindurch
(also  seit  seiner  Übersiedelung  nach  Petersburg)  verfolgten  Zweck
nicht  habe  erreichen  können,  ohne  die  Presse  und  die  Kammer
gegen  mich  aufzubringen  und  alles  demselben  zu  opfern.

„Mein  grösster  Triumph,“  rief  er  mehrmals  in  dieser
Unterredung  aus,  „ist,  vom  König  von  Preussen  die  Kriegserklärung
  gegen  Oesterreich  und  die  Berufung  des  deutschen  Parlaments
  erlangt  zu  haben."

Mit  gleichem  Triumph  erklärte  er  am  2.  April  1866  dem
französischen  Botschafter,  Grafen  Benedetti,  wie  dieser  später
in  der  Schrift  über  seine  „Mission“  mittheilte:  „es  ist  mir  geglückt,
  einen  König  von  Preussen  zu  bestimmen,  dass  er  die
engen  Beziehungen  seines  Hauses  zum  österreichischen  Kaiserthron
  brach,  dass  er  ein  Bündniss  mit  dem  revolutionären  Italien
schloss,  einwilligte,  auf  ein  eventuelles  Abkommen  mit  dem
kaiserlichen  Frankreich  einzugehen,  und  in  Frankfurt  die  Umänderung
  der  Bundesversammlung  unter  Mitwirkung  einer  Volksvertretung
  beantragte.  Ich”;bin  stolz  auf  ein  solches  Ereigniss.“

Die  gleiche  Stimmung  des  Triumphs,  dasselbe  Selbstgefühl
geht  durch  seine  Eröffnungen  an  den  Franzosen  Vilbort,  der
ihn  beim  Ausbruch  des  Kriegs  in  Berlin  aufsuchte  und  ihm
sodann  nach  Böhmen  folgte.  Als  ihn  dieser  (siehe  sein  1870
erschienenes  „Oeuvre  de  M.  Bismarck“)  fragte,  wie  es  nur  möglich
  war,  den  König,  den  Repräsentanten  des  Rechts  von  Gottes
Gnaden,  zur  Annahme  des  allgemeinen  Stimmrechts,  dieses  vorzugsweise
  demokratischen  Prinoips,  zu  bewegen,  triumphirte  er:
„das  ist  ein  Sieg,  den  ich  nach  vier  Jahren  des  Kampfes  errungen
  habe.“  In  demselben  Gespräch  nennt  er  es  wiederholt
„seinen  Gedanken,‘  Deutschland  oder  wenigstens  Norddeutschland
  dem  österreichischen  Druck  zu  entreissen,  und  den  Krieg
gegen  diesen  Widersacher  Deutschlands  einen  Plan,  den  er  in
„stündlichem  Kampf“  gegen  die  Einflüsse,  die  auf  den  König
einwirkten,  endlich  durchgesetzt  habe.

Selbst  in  den  Nöthen  der  Nikolsburger  Verhandlungen,  als
Napoleon  III.  den  preussischen  Territorialgewinn  in  Norddeutschland
  mit  Kargheit  abmessen  wollte,  sucht  er,  wie  aus  seiner,
von  den  Verfassern  des  österreichischen  Generalstabswerks  zur
Erläuternng  jener  Situation  (im  April  1869)  veröffentlichten
Depesche  vom  20.  Juli  1866  an  den  preussischen  Gesandten  in
Paris  hervorgeht,  diesen  durch  die  Erläuterung  der  Differenz