28  Ludwig  Bamberger’s  „Herr  von  Bismarck.“

bereitschaft*  schlechthin  nothwendig,  der  Minister  von  Roon
bezeichnete  im  Abgeordnetenhause  (am  16.  September  1862)  als
das  Ziel  der  Maassregel  ‚die  verstärkte  Kriegsbereitschaft.“
Aus  dem  Stamm  des  Werks  vom  Jahr  1860  konnte,  nachdem
das  Königgrätzer  Jahr  mit  leichter  Mühe  die  Reorganisation  der
norddeutschen  Contingente  und  die  Militärverträge  mit  den  süddeutschen
  Staaten  herbeigeführt  hatte,  die  Invasionsarmee
des  Kriegs  vom  Jahr  1870  und  seit  dem  bis  zu  den  jetzigen
Gesetzesvorlagen  die  schlachtbereite  Armee  zu  einem  Weltkrieg
  geschaffen  werden,  —  ist  es  demnach  denkbar,  dass  die
von  einer  Reihe  von  Steuererhöhungen  begleitete  Schöpfung  des
Jahres  1860  nicht  in  der  Aussicht  auf  einen  Krieg  ins  Leben
gerufen  sei.  Allerdings  sagte  Graf  Moltke  in  der  Sitzung  des
Reichstags  vom  24.  April  1877,  als  die  Opposition  Officiere,  die
erst  im  Kriege  nothwendig  sind,  für  die  Friedenszeit  nicht  bewilligen
  wollte,  dass  alle  Officierstellen  im  Frieden  nur  bestehen,
weil  die  Officiere  im  Krieg  nothwendig  sind.  So  besteht  auch
jede  Armee  im  Frieden,  weil  sie  im  Krieg  nothwendig  ist.  So
erklärte  auch  sach-  und  naturgemäss  der  Schöpfer  der  neuen,
im  Laufe  der  letzten  zwanzig  Jahre  von  allen  Staaten  unseres
Festlandes  als  Muster  betrachteten  und  nachgeahmten  Armee
als  Prinz-Regent  in  seiner  Anrede  an  das  Staatsministerium  am
8.  November  1858:  „Preussens  Heer  muss  mächtig  und  angesehen
  sein,  um,  wenn  es  gilt,  ein  schwerwiegendes  Gewicht  in
die  politische  Wagschale  legen  zu  können.“  Schwerwiegend
war  für  Preussen  auch  die  Frage,  die  seit  den  Olmützer  Tagen
über  ihm  schwebte,  und  es  kann  daher  mit  Sicherheit  angenommen
  werden,  dass  das  entsprechende  schwerwiegende  Gewicht
der  Armee  im  Frieden  für  den  Fall,  wenn  es  nach  Moltke’s
Ausdrucke  im  Krieg  nothwendig  werden  sollte,  in  Bereitschaft
gestellt  wurde.

Bismarck’s  Aufgabe,  nachdem  er  im  September  1862  als
Minister  des  Auswärtigen  an  die  Spitze  des  Staatsministeriums
berufen  war,  bestand  nur  in  der  Eröffnung  der  Wege,  die  zum
Krieg  oder  Frieden,  —  jedenfalls  zur  Lösung  der  zwischen
Preussen  und  Österreich  schwebenden  Frage  führten.  Das  Verhältniss
  zu  Frankreich  und  Österreich  war  schon  eingeleitet,
wie  im  Mai  1862  seine  Abberufung  von  Petersburg  und  Sendung
  nach  Paris  beweist.  Kaum  vier  Monate  war  er  im  Amte,
als  er  laut  seiner  Circulardepesche  vom  24.  Januar  1863  den