30  Ludwig  Bamberger’s  „Herr  von  Bismarck."

er,  während  er  nur  Metz  und  Strassburg  haben  wollte,  (nach
der  Mitteilung  des  Dr.  Busch)  eine  „Professorenidee.“  Dass  es
ganz  ohne  Annexionen  abgehen  würde,  erklärte  er  am  12.  September
  1866  im  Abgeordnetenhause,  habe  ich  nie  geglaubt,  aber
das  Maass  hing  (richt  nur  vom  Maass  der  Siege,  sondern  auch)
von  der  Constellation  ‘der  europäischen  Mächte  im  Augenblick
der  Entscheidung  ab.“

So  gab  es  nach  seiner  Mittheilung  in.  der  Sitzung  des
preussischen  Abgeordnetenhauses  vom  1.  Februar  1868  nach  der
Schlacht  bei  Königgrätz  einen  Augenblick,  „wo  es  als  ein  erheblicher
  Gewinn  betrachtet  wurde,  wenn  das  Resultat  jener
Schlacht  gewesen  wäre,  (von  Hannover)  Ostfriesland  zu  erwerben
und  die  Verbindung  zwischen  den  östlichen  und  westlichen  Provinzen
  des  preussischen  Staats  herzustellen.“

Wir  wenden  uns  nun  zu  der  zweiten  Frage,  ob  Bismarck
in  der  That  nur  einem  äusseren  Zwange  ausgesetzt  war,  der
ihm  keine  andere  Wahl  übrig  liess,  als  durch  Gewaltübung  gegen
  Kammer  und  Presse  die  Zustimmung  des  Monarchen  in  der
Kriegsfrage  zu  gewinnen.

In  den  Oppositionsmännern,  die  er  in  jener  Herzenseröffnung
vom  Juni  1866  gewonnen  hatte,  stiegen,  ehe  das  Jahr  1867  abgelaufen
  war,  Bedenken  auf,  ob  die  letzte  Ursache  seiner  reactionären
  Massregeln  wirklich  nur  in  einer  höheren,  allen  Erörterungen
  unzugänglichen  Sphäre  zu  suchen  sei.  Es  wollte  ihnen
bei  reiflicher  Überlegung  nicht  einleuchten,  dass  ein  Mann,  der
so  grosse  Dienste  geleistet  und  so  wichtige  Proben  seiner  Kraft
abgelegt  hatte,  auch  jetzt  noch  an  massgebender  Stelle  auf
so  wenig  Autorität,  ja,  auf  so  wenig  Selbstgefühl  beschränkt
sein  sollte,  dass  die  Unterwerfung  des  norddeutschen  Bundes
unter  eiseıne  Budgets  und  die  Beschränkung  des  parlamentarischen
  Aufsichtsrechts  über  ‘die  Bundesfinanzen  einem  andern  als
ibm  „in  die  Schuhe  geschoben  werden  könne.“  Bamberger
scheut  sich  sogar  nicht  davor,  der  gedrückten  Stimmung  seiner
Partei  in  dem  Gleichnis  Ausdruck  zu  geben,  dass  „der  siegbeladene
  Mann,  wenn  er  in  der  parlamentarischen  Verfassung
auch  nur  seine  Magd  geheirathet  zu  haben  glaube,  welche  ihm
zu  Hause  im  Kleinen  Dienste  leisten  solle,  damit  er  draussen
im  Grossen  erobere,  nicht  vergessen  sollte,  dass  selbst  derjenige,
der  seine  Magd  zum  Weibe  nimmt,  ihr  von  Rechts-  und  Naturwegen
  um  seiner  selbst  willen  ebenbürtige  Achtung  gelobt  und