38  Vilbort  und  das  Glück  Bismarck’s.

die  Hauptstadt  einzogen,  um  sie  unter  dem  Beistand  der  heiligen
Jungfrau  zu  vertheidigen.  Kaum  war  die  Hauptstadt  von  dem
katholischen  Aufgebot  angefüllt,  so  konnte  er  an  dem  Waffenlager
  auf  den  Plätzen  und  Strassen  merken,  dass  sie  von  seinen
alten  Bekannten  und  Freunden  von  Potsdam  und  Berlin  her
und  deren  deutschen  Bundesgenossen  eingeschlossen  war.  Bald
überzeugte  ihn  der  Kanonendonner  vor  den  Mauern,  dass  der
Kampf  zwischen  Berlin  und  Paris,  den  Stätten  seiner  Triumphe,
begonnen  hatte.

Was  dachte  er  sich  wohl  bei  diesem  Schauspiele?  Aber
hatte  er  die  Zeit  dazu,  einen  Gedanken  zu  verfolgen?  Seine
Stelle  auf  dem  Square  Monge  war  kein  Ruheposten.  “Nicht
genug,  dass  sich  über  ihn  sofort  nach  seiner  Aufstellung  die
Schale  des  Zorns  ergoss,  mit  dem  ihn  das  „Univers“  verfolgte,
störten  ihn  seine  Verehrer  mit  dem  Streit  über  seinen  rechten
Standort.  Obwohl  keine  Reiterstatue,  ward  er  doch  ein  wanderndes
  und  irrendes  Wesen  und  liess  ihn  während  der  Belagerung
  der  Stadt  ein  Maire  des  eilften  Arrondissements  nach
einer  geräumigen  Strassenecke  des  Boulevard  Eugene,  der  fortan
seinen  Namen  tragen  sollte,  hinrollen.

Schon  im  Jahre  1869  wurde  der  Senat  mit  Petitionen  bestürmt,
  welche  um  die  Zurücknahme  der  Erlaubniss  zur  öffentlichen
  Aufstellung  seines  Standbildes  anhielten.  Sie  sprachen
im  Namen  der  Nationalinteressen,  die  er  mit  seiner  Bewunderung
der  Theilung  Polens,  und  im  Namen  der  militärischen  Ehre  des
Landes,  die  er  mit  seiner  Feier  von  Friedrich’s  Sieg  bei  Rossbach
  beleidigt,  —  im  Namen  der  „reinsten  Glorie“  Frankreichs,
die  der  Dichter  der  Pucelle  in  der  Jungfrau  befleckt,  —  endlich
im  Namen  der  Gleichheit  und  Brüderlichkeit,  die  der  Fürstendiener
  und  Volksverräther  verrathen  habe.  Der  Berichterstatter,
Silvestre  de  Sacy,  brachte  es  zwar  in  der  Sitzung  vor  den
Weihnachtsferien  1869  dahin,  dass  der  Senat  im  Hinblick  auf
die  angeblichen  Meisterwerke  der  Henriade,  Merope,  Zaire  und
der  Historien  Peter's  und  Karl's  XII.  über  die  Petitionen  zur
Tagesordnung  überging.  Aber  Veuillot  setzte  den  Kampf  im
„Univers“  fort  und  führte  seine  entscheidendsten  Schläge,  als
die  Aufstellung  des  Standbildes  am  14.  August  1870  in  der
äussersten  Nothlage  des  Landes  vollzogen  war.

Der  gefährliche  Streiter  hielt  sich  nur  an  den  Briefwechsel
zwischen  Voltaire  und  Friedrich,  an  dieses  wichtige  Erzeugniss,