Vilbort  und  das  Glück  Bismarck's.  39

eines  Bureau  d’Esprit  oder  königlichen  Pressbureaus,  welches  in
Potsdam,  Ferney  und  Paris  etablirt  war  und  den  Ruhm  des  Königs
an  den  Höfen  und  unter  den  Grossen  des  Festlandes  verbreitete.

Von  den  Versen  der  Henriade,  der  Pucelle,  der  Zaire
wollte  man  damals  schon  nichts  melır  wissen;  man  las  sie  kaum
noch.  Desto  schmerzlicher  empfand  es  der  gallische  Stolz,  wenn
der  Gegner  Voltaire’s  in  die  immer  noch  offene  Wunde,  welche
die  Theilung  Polens  in  der  Erinnerung  Frankreichs  zurückgelassen
hatte,  von  neuem  das  ätzende  Salz  des  Spottes  streute,  mit
welchem  Voltaire  der  unsicheren  Politik  Ludwig’s  XV.  und  den
Abenteuern  der  militärischen  Sendlinge,  die  derselbe  seinen
Schützlingen,  den  Conföderirten  ohne  ausreichende  Mittel  geschickt
  hatte,  das  „Geschick“  entgegensetzte,  mit  welchem
Friedrich  seinen  Antheil  an  Polen  in  die  Tasche  steckte.  Veuillot
rief  ferner  den  Franzosen  die  Briefe  ins  Gedächtnis,  in  denen
Voltaire  diese  Abenteurer  „wälsche‘“  Don  Quixotes  und  „Gelbschnäbel‘‘
  nannte,  welche  die  Impertinenz  hatten,  dem  König
von  Preussen  den  Krieg  zu  erklären.  Er  erinnerte  daran,  wie
der  Dichter  der  Pucelle  Friedrich  als  dem  Mächtigen  gehuldigt
hatte,  der  „über  die  Geschicke  Europa’s  entscheiden  wird,  der
einen  Arm  der  Wage  Europa’s  schon  hält  und  dessen  Adler
selir  weit  gehen  wird.“

Die  deutsche  Armee  befand  sich’  bereits  auf  dem  Marsch
nach  Paris,  als  Veuillot  die  Franzosen  daran  erinnerte,  dass
Voltaire  diesen  Flug  des  preussischen  Adlers  schon  vorausbestimmt
  hatte.  „Sire,  schreibt  er  an  Friedrich,  da  bin  ich  in
Paris,  es  ist,  davon  bin  ich  überzeugt,  Ihre  Hauptstadt.“
„Paris,  redet  er  diese  Hauptstadt  des  künftigen  Triumphators
an,  sei,  wenn  du  kannst,  des  Siegers,  den  du  in  deine  unregelmässige
  und  kothige  Umwallung  (enceinte)  aufnehmen  wirst,
würdig.“  Und  lange  nach  dem  Tage  von  Rossbach  schrieb  er
im  Mai  1775  nach  Potsdam,  „die  preussische  Uniform  muss  nur
dazu  dienen,  die  Wälschen  auf  die  Kniee  zu  bringen.“

Auch  andem  Kreisen  der  Hauptstadt  fuhren  damals  die
Weissagungen  Voltaires  in  die  Gebeine.  So  erinnerte  kurz
vor  der  Schlacht  vor  Sedan,  am  30.  August,  das  „Journal  de
Paris"  an  den  Voltaire'schen  Satz:  „die  Vielheit  der  Staaten
dient  zur  Erhaltung  des  Gleichgewichts,  bis  sich  eine  Macht,
gross  genug,  um  die  andern  zu  absorbiren,  in  Deutschland
bildet."