44  Napoleon  III.  als  Gehilfe  Bismarck’s.

Frage  im  rechten  Sinne  lösen  würde.  Aber  vielen,  die  ihn
kannten,  erschien  er  doch  auch  wieder,  wie  derselbe  Thielau  erzählt,
  „für  die  höchste  politische  Leistung  der  Zukunft  zu
gewissenhaft,  offen  und  gerade  und  sie  sagten  wohl  nach
seinem  Tode:  „der  deutsche  Cavour  wäre  er  doch  nicht
geworden“.

Geboren  im  Jahre  1812  zu  Paris,  als  Neuenburger  zugleich
Schweizer  und  Preusse,  brachte  er  seine  Jugend  in  beiden  Ländern
  zu.  Durch  Reisen  und  diplomatische  Sendungen  gebildet,
war  er  ein  Gegner  der  Abmachungen  von  Ollmütz  und  gründete
und  leitete  mit  seinem  Schwiegervater  Bethmann-Hollweg  das
preussische  Wochenblatt,  um  welches  sich  auch  die  späteren
Mitarbeiter  Bismarck’s,  die  Herren  von  der  Goltz  und,  Usedom
und  der  Freiherr  von  Werthern  sammelten.  Er  gehörte  zu  denen,
welche  den  Gedanken  einer  Verständigung  mit  Österreich  am
zähesten  und  längsten  festgehalten  haben,  und  hoffte  durch  freundschaftliches,
  auch  in  Thaten  bewiesenes  Entgegenkommen  für
alle  Pläne  des  Kaiserstants  an  der  Donau  und  am  Schwarzen
Meer,  denselben  zum  freiwilligen  Verzicht  auf  seine  Positionen
in  Deutschland  und  Italien  bewegen  zu  können.  ÖOperiren  musste
nach  seiner  Ansicht  der  Mann,  der  sich  zur  Rettung  Preussens
.  und  Deutschlands  berufen  glaubte,  an  der  Spitze  der  demokratischen
  Kräfte  der  deutschen  Bewegung  und  zugleich  als  Disponent
  über  die  Mittel  des  preussischen  Staatsorganismus  wie
über  das  Junkermaterial  der  Kreuzzeitung.

Er  wollte  nichts  von  einem  Bündniss  mit  Frankreich  und
Russland  wissen,  in  welchem  Manteuffel  gegen  die  Geburtswehen
  der  neuen  Ära  seine  Rettung  gesucht  hatte,  und  nannte
es  vielmehr  die  Aufgabe  .der  preussischen  Politik,  die  Lösung
der  brennenden  Fragen  der  Zeit,  auch  die  Einigung  Italiens,
Frankreich  aus  der  Hand  zu  nehmen.  Er  sprach  mit  Schauder
von  den  „Cavour'schen  Händeln“,  welche  das  neue  Italien  in  die
Abhängigkeit  von  Frankreich  gebracht  hätten.  Als  er  1859
seinen  Gesandtschaftsposten  in  Paris  antrat,  glaubte  er  dessen
gewiss  zu  sein,  dass  der  Kaiser  der  Franzosen  in  den  Hohenzollern
  die  künftige  deutsche  Dynastie  erkannt  hatte  und  die
Bundesgenossenschaft  mit  der  deutschen  Nation  suchte;  aber  er
wollte  dieselbe  umsonst  haben  und  um  sie  ohne  Gegenlohn  zu
erhalten,  Preussen  so  stark  sehen,  dass  es  auch  eine  rein  passive
Hilfe  von  Seiten  Frankreichs  entbehren  konnte.