46  Napoleon  III.  als  Gehilfe  Bismarck’s.

unter  die  Auspicien  Napoleon’s  zu  stellen,  so  übereinstimmend,
dass  wir  das  Schriftstück  als  einen  Beitrag  zu  seiner  Autobiographie
  betrachten  dürfen.  Nachdem  dieses  Schriftstück  daran
erinnert  hat,  dass  Bismarck  seit  dem  März  1859  in  Petersburg
die  Achtung  sowohl  des  Zaren  als  des  Fürsten  Gortschakoff,
dessen  Ansichten  sich  den  seinigen  in  vielen  Beziehungen  nähern,
erworben  hatte,  weist  es,  um  seine  jetzige  Mission  zu  erklären,
auf  die  Bedeutung  Frankreichs  und  das  Gewicht  der  jetzt
schwankenden  Fragen  hin.  Frankreich,  erklärt  es,  ist  der  Mittelpunkt
  für  die  Politik  Europa’s  geworden  und  Preussen  ist  durch
seine  Stellung  und  seine  Eigenschaft  berufen,  an  der  Lösung
jener  Fragen  und  an  den  Beschlüssen,  welche  man  zur
Sicherung  des  Erfolges  fassen  wird,  theilzunehmen.“

Seitdem  brachten  deutsche  Blätter  Umrisse  der  grossen  Umänderung,
  welcher  Bismarck  mit  Hilfe  Frankreichs  und  Russlands
  Deutschland  unterwerfen  wolle.  Die  „Grenzboten“  vom
22.  August  sprachen  sogar  von  einem,  Anfangs  des  Juni  aus
Berlin  nach  München  gerichteten  Privatschreiben,  welches  von
der  Mediatisirtung  Deutschlands  sprach.  Am  eingehendsten
glaubte  eine  Correspondenz  der  „Berliner  Allgemeinen  Zeitung“
(vom  Main,  den  31.  Juli)  das  Werk  der  Zukunft  zu  enthüllen,
indem  sie  folgende  sichere  Anhaltspunkte  gibt,  wonach  „der
König“  entschlossen  ist,  in  der  deutschen  Frage  eine  That  zu
thun,  ernstlich,  entschieden  und  plötzlich,  alle  Sonderinteressen
niederzuwerfen  und  den  Sitz  der  Action  von  Frankfurt  nach
Berlin  zu  verlegen,  sodann,  dass  Preussen  eine  Allianz  mit
Frankreich  und  Russland  zwar  nicht  eingegangen  ist,  wohl  aber
sich  über  seine  Schritte  mit  diesen  Mächten  vereinbart.

Cavour  hatte  im  April  1861  den  Herrn  von  Ideville,  wie
dieser  in  seinem  1871  erschienenen  „Journal  d'un  Diplomate*  erzählt,
  über  seine  eigne  und  des  Kaisers  Napoleon  Verschwörer-Natur
  unterhalten.  Seine  persönliche  Verschwörer-Rolle  erklärte
er  aus  dem  Zwange,  dass  er  sich  anfangs  vor  Österreich  hatte
verstecken  müssen.  Aber  der  Kaiser,  sagte  er,  ist  ein  unverbesserlicher
  Verschwörer,  ein  Dilettant  und  Künstler  in  diesem
Fache,  obwohl  er  es  als  absoluter  Gebieter  eines  mächtigen
Landes  und  Herr  einer  grossen  Armee  nicht  mehr  nöthig  und
bei  der  friedlichen  Stimmung  Europa’s  nichts  zu  fürchten  hätte.
Gleichwohl  immer  unruhig,  sinnt  er  zu  jeder  Stunde  auf  einen
neuen  Streich,  verkleidet  er  seine  Gedanken  und  verstellt  er