Napoleon  III.  als  Gehilfe  Bismarck'a.  47

seine  Schritte.  „Ha,  was  gibt  er  für  einen  wunderbaren  Verschwörer
  ab!"

Die  Sache  war  die.  Der  kaiserliche  Verschwörer  hielt
Österreich  noch  nicht  für  hinlänglich  heruntergebracht,  als  er
seine  Bomben  des  Nationalitätsprinzips,  des  allgemeinen  Stimmrechts
  und  der  Annexionen  gegen  dasselbe  in  Italien  geschleudert
hatte.  Er  wollte  diese  Maschinerie  der  Centralisation  gegen  den
alten  Feind  Frankreichs  auch  in  Deutschland  spielen  lassen.

Er  arbeitete  für  Bismarck.

Seine  plötzliche  Erscheinung  auf  dem  deutschen  Fürstentag
zu  Baden  (1860),  die  nach  langem  Drängen  erreichte  Zusammenkunft
  mit  König  Wilhelm  zu  Compiegne  (1861)  allarmirten  die
deutschen  Fürsten  durch  das  Gerücht,  dass  besonders  an  letzterem
Ort  der  Gedanke  einer  'Theilung  Deutschlands  zur  Sprache  gebracht
  sei.  Gleichviel,  ob  überhaupt,  oder  wie  weit  das  Gerücht
begründet  war,  so  fühlte  sich  doch  Deutschland  seitdem  wie  von
einem  Alp  bedrückt.

Bismarck  war  der  Erbe  des  von  Napoleon  eingeleiteten
deutsch-französischen  Handelsvertrages  und  er  hütete  sich  sehr
wohl,  wie  er  sich  in  der  Sitzung  des  Reichstags  vom  21.  Februar
1879  ausdrückte,  sich  auf  eine  Prüfung  der  Tarifpositionen  einzulassen
  oder  sich  ein  theoretisches  Urtheil  über  einen  Vertrag
zu  erlauben,  der  ihm  in  praktischer  Hinsicht  die  werthvollsten
Dienste  leistete,  den  Kaiser  der  Franzosen  bis  zur  Krisis  von
1866  für  Preussen  verpflichtete  und  letzteres  in  seinen  deutschen
Unternehmungen  unterstützte.  Derselbe  Vertrag,  der  Frankreichs
„Wohlwollen“  sicherte,  hatte  durch  seine  Bestimmungen  den
Zutritt  Österreichs  unmöglich  gemacht,  erhob  Preussen  durch
seine  vor  der  Zustimmung  der  Zollvereins-Regierungen  erfolgte
Unterzeichnung  zum  Haupt  von  Kleindeutschland  und  verwies
die  widerstrebenden  süddeutschen  Regierungen  an  die  Verhandlung
  mit  Berlin.  Ihr  Flehen  in  Paris,  man  möge  sie  doch
auch  als  Contrahenten  berücksichtigen  und  sich  ihrer  bedrohten
Souveränetät  erbarmen,  ward  dort  mit  der  Bemerkung  abgefertigt,
der  Vertrag  habe  mit  Politik  nichts  zu  thun.

Die  erste  Rede,  die  Bismarck  nach  seiner  Berufung  zum
Vorsitz  in  einem  der  beiden  Häuser  des  Landtags,  im  Herrenhause
  am  2.  Oktober  1862,  hielt,  betraf  den  am  2.  August,  von
Preussen  unterzeichneten  Handelsvertrag.  Er  Sprach  :  schon  als