Napoleon  III.  als  Gehilfe  Bismarok’s.  49

Schleswig-Holstein,  über  die  Zertheilung  der  „untrennbaren“
Herzogthümer  und  die  Nichtbeachtung  der  deutschen  Interessen
Anzustiminen.

Je  näher  im  April  und  Mai  1866  die  Katastrophe  heranrückte,
  um  so  mehr  konnte  Graf  von  der  Goltz  in  seinem  täglichen
  Verkelir  mit  dem  Kaiser  erkennen,  dass  derselbe  nur  eine
Furcht  kannte,  —  die,  dass  es  nicht  zum  Krieg  kommen  würde.

Wenn  Bismarck  in  derselben  Zeit  noch  die  Besorgniss  hegte,
dass  Napoleon  zufolge  seiner  Leidenschaft  für  eine  geheime  Beschäftigung
  zwischen  Italien  und  Österreich  hin  und  her  handle,
so  brauchte  er  nur  in  seinen  Unterhaltungen  mit  Benedetti  die
Bemerkung  fallen  zu  lassen,  dass  er  noch  nicht  so  weit  engagirt
sei,  um  nicht  durch  einen  Ministerwechsel  einen  Rückzug  Preussens
in  Scene  setzen  zu  dürfen,  und  er  konnte  sicher  sein,  dass  Napoleon,
  damit  es  ja  zum  Kriege  komme,  sein  geheimes  Spiel
nicht  zu  weit  trieb.

Benedetti  war  ein  fleissiger  Beobachter  und  Berichterstatter,
aber  er  verstand  nichts  von  der  Seele,  die  in  dem  täglichen  Verlauf
  der  Ereignisse  ihr  Spiel  hatte.  So  schreibt  er  am  10.  April
1866,  er  habe  „nicht  ohne  Ueberraschung  die  Gleichgültigkeit
bemerkt,  mit  welcher  das  Cabinet  von  Petersburg  von  Anfang
an  die  Ansprüche  Preussens  und  die  Eventualität  eines  Bruchs
zwischen  den  beiden  deutschen  Grossmächten  zu  betrachten  schien,
er  sei  nicht  weniger  von  der  Sicherheit,  welche  Bismarck  wegen
der  Haltung  und  Absichten  der  nordischen  Macht  zu  erkennen
gab,  betroffen  gewesen.“

Erst  in  der  Berufung  des  Generals  Manteuffel  aus  seinem
so  eben  erst  bezogenen  Hauptquartier  zu  Frankfurt  nach  Berlin,
sgwie  in  dessen  ebenso  schleuniger  Fahrt  nach  Petersburg  sah
Benedetti  „das  Vorspiel  einer  Vebereinkunft,  die  zwischen  den
beiden  Höfen  Russlands  und  Preussens  zu  Stande  kommen  könnte.“
Die  Mobilmachung  des  General  Mantenffel  war  sofort  erfolgt,  als
der  französische  Botschafter  am  5.  August  1866,  also  nachdem
Preussen  auf  den  Schlachtfeldern  gesiegt  hatte  und  Österreich
tödtlich  getroffen  war,  den  Vertragsentwurf,  in  welchem  sein
Herr  zum  Lohn  für  seine  Hilfsleistung  einen  Theil  des  deutschen
Rheinufers  verlangte,  Bismarck  vorgelegt  hatte.

Das  Einverständniss  zwischen  Berlin  und  Petersburg  hatte
aber  längst  bestanden.  Es  kündigte  sich  in  der  gleichzeitigen
Anerkennung  des  Königreichs  Italien  von  Seiten  beider  Müchte

Bauer,  Bismarck’sche  Ära.  4