Sybel's  und  Bismerck's  Gegnerschaft  und  Harmonie,  61

Vortheil,  dass  er  es  allein  verstand,  sich  eine.  eigeuc  Meute
zu  schaffen  und  mit  Hilfe  ihres  Geläutes  wenigstens  eine  halbamtliche
  Ober-Stellung  zu  erringen.  Sein  1874  gegründeter
„Deutscher  Verein“  umspannte  von  Bonn  aus  die  Rheinprovinz;
dessen  in  Dorf  und  Stadt  ansässige  Mitglieder  beobachteten  die
klerikalen  Reichsfeinde  und  erforschten  die  Gesinnungen  der
Landräthe,  Bürgermeister,  Ortsvorsteher,  Schulinspektoren,  Geistlichen
  und  Lehrer;  Emissäre  durchreisten  das  Land  und  brachten
das  Ergebniss  ihrer  Forschungen  zu  dein  Bonner  Archiv.  Im
Besitz  dieser  geheimen  Conduitenlisten  ward  Sybel  zum  gefürchteten
  „Vicekönig“  der  Rheinprovinz  und  intimen  Mitglied  des
Berliner  Ministerraths.  Seinem  Einfluss  auf  Bismarck  hatte  es
die  Rheinprovinz  zu  verdanken,  dass  ihr  trotz  der  wiederholten,
beinabe  einstimmigen  Anträge  des  preussischen  Abgeordnetenhauses
  die  Einführung  der  neuen  ‚Kreisordnung  versagt  blieb.
Nach  seiner  Uebersiedlung  nach  der  Hauptstadt  blieb  er  die
Seele  des  Bonner  Vereins  und  in  seinem  Berliner  Schreiben  an
denselben  (vom  20.  Mai  1877)  ersahı  man,  dass  er  über  die
Häupter  der  Oberbeamnten  der  Rheinprovinz  hinweg  mit  Bismarck
derselben  Meinung  sci,  es  könne  dein  Landtage  keine  rheinische
Kreisordnuug  vorgelegt  werden,  in  welcher  nicht  der  Regierung
die  Ernennung  der  Landbürgermeister  und  Ortsvorsteher  vorbehalten
  sei.

Auch  die  später  über  den  Verein  hereingebrochene  Katastrophe
  konnte  die  Leiter  desselben  noch  nicht  zur  Besinnung
bringen  und  die  Redner,  die  in  Frühjahr  1878  zu  Köln  und  Bonn
unter  den  Trümmern  ihres  Bundes  auftraten,  stinnmten  in  dem
Stichwort  überein,  dass  man  mit  eiserner  Faust  gegen  die
Reichsfeinde  der  Provinz  arbeiten  müsse.

Sybel,  im  Jahre  1817,  also  zwei  Jahre  nach  seinem  künftigen
Gebieter  geboren,  brauchte  nach  seinem  ersten  öflentlichen  Auftreten
  fünfundzwanzig  Jahre,  che  er.  sich  diesem  zu  Gebote
stellte.  Erst  wusste  er  von  ihm  so.  wenig,  wie  die  übrige  Welt;
im  Jahr  1850  ihm  als  Widerpart  gegenüberstehend,  beachtete  er
ihn  kaum;  sein  Grundwerk:  „Geschichte  der  Revolutionszeit“,
welches  dem  Künftigen  den  Weg  bereitete,  erschien  seit  1853,
als  derselbe  in  der  Verborgenheit  des  deutschen  Bundespalais
zu  Frankfurt  noch  von  der  Zukunft  träumte.

Seine  erste  namhafte  Schrift,  mit  der  er  sich  zu  Bonn
habilitirte  (1841),  die  kritische  Geschichte  des  ersten  Kreuz-4r

