als  Pendant  zur  neuen  Ära.  63

nehmungen.  Seine  zahlreichen  von  Schlieffen  (in  seinen  „Erlebungen“,
  Berlin  1840)  uns  erhaltenen  Schreiben  und  Instructionen
in  den  Lütticher  und  Belgischen  Angelegenheiten  beweisen,  dass
er  die  Details  derselben  genau  kannte  und,  auch  neben  Hertzberg,
  leitete.

Im  ersten  Jahr  seiner  Regierung  stritten  sich,  wie  Mirabeau
in  seinen  Berliner  Briefen  richtig  schildert,  die  verschiedenen
Richtungen  vergebens  um  Oberhand  und  Einfluss.  Er  stellte
ihnen  Neutralität  und  Passivität  entgegen.  Gegen  Ende  dieses
Jahres  kam  jedoch  Hertzberg  obenauf.  Dieser  Minister,  der
unter  Friedrich  nur  der  subalterne  Bearbeiter  der  königlichen
Anweisungen  war,  wollte  Preussen  über  das  fridericianische
Niveau  erhebeu,  in  Deutschland  zum  Schiedsrichter,  in  Europa
zam  Diktator  machen,  im  Westen  Iingland  zur  Demütligung
Frankreichs  an  Deutschland  ketten,  im  Osten  Russland  niederhalten
  und  womöglich  in  die  Steppen  der  Wolga  zurück  werfen.
Solche  hochfahrenden  Pläne  kamen  dem  Verlangen  des  Königs
nach  einer  grossen  Stellung  Preussens  entgegen.  Die  Verbissenheit,
  welche  der  Minister  mit  dem  Anschein  der  Festigkeit
bekleidete,  versprach  dem  Fürsten  Ausdauer  und  Standhaftigkeit.
Seine  Heftigkeit  machte  den  Eindruck  des  Durchschneidenden
und  des  Kraftgelühls.  Reich  an  Ränken  und  nicht  wälılerisch
im  Punkt  der  listigen  Überrumpelungen,  schien  er  der  rechte
Mann  dazu,  die  hohen  Absichten  des  Monarchen  geschickt
durchzuführen.

Der  erste  Meisterstreich  Hertzberg’s  war  die  Katastrophe,
die  er  in  Holland  in  Verbindung  mit  dem  dortigen  englischen
Gesandten  herbeiführte.  Wie  Friedrich  IL.  hatte  dessen  Nachfolger
  den  Streit  des  unfühigen  und  herrschsüchtigen  Erbstatthalters,
  Wilbelms  V.,  mit  der  bürgerlichen  Aristokratie  und  den
republikanischen  Patrioten  sich  selbst  überlassen.  Als  aber  die
Patrioten  die,  vom  Berliner  Minister  und  jenem  Gesandten
bestellte  Reise  der  Gemahlin  des  Statthalters,  Schwester  Friedrich
Wilhelms  und  der  eigentlichen  Directrice  des  holländischen
Streits,  vom  Schlosse  Loo  nach  dem  Haag  unterbrachen,  liess
der  König,  im  Herbst  1787,  den  Herzog  von  Braunschweig  mit
20,000  Preussen  Holland  überzichen.  Dieser  bis  auf  ein  leichtes
Zusammentreffen  bei  Amsterdam  unblutige  Siegeslauf  des  Herzogs
blendete  alle  Welt  als  ein  Erfolg  über  Frankreich,  welches,
damals  mit  der  inneren  Reform  beschäftigt,  nicht  einen  Mann  im