64  Die  revolutionäre  Parthie  der  Regierung  Friedrich  Wilhelm’a  IT.

Lager  von  Givet  aufgestellt  hatte.  Aber  er  war  unheilsschwanger
für  Preussen  und  den  herzoglichen  Triumphator.  Dieser  war,
wie  er  in  einem  späteren  Schreiben  an  Schlieffen  aussprach,
davon  überzeugt,  dass  die  Macht  Frankreichs  aus  der  Armeeliste
Europa’s  gestrichen  sei,  und  nur  dieser  Glaube  verleitete  ihn
1792  zu  dem  strategischen  Unding,  seine  ihm  knapp  zugemessene
Armee  ohne  irgend  eine  militärische  Basis  wie  einen  Zwirnfaden
durch  das  Loch  der  Ardennen  in  Frankreich  einzufädeln  und
der  Gefahr  der  Vernichtung  oder  Gefangennalime  auszusetzen.

Auch  der  andere  Erfolg  des  holländischen  Feldzugs,  die
von  Hertzberg  gesuchte  und  im  Jahr  darauf  geschlossene  Allianz
mit  England,  trug  nicht  die  Früchte,  die  man  sich  von  ihr  in
Berlin  versprach.  Zwar  vereinigten  sich  beide  Mächte  zur
Unterstützung  Schwedens  gegen  Russland,  welches  damals  im
Bunde  mit  Österreich  den  Krieg  gegen  die  Türkei  begann.
Gustav,  mit  Londoner,  Berliner  und  türkischem  Golde  unterstützt,
hielt  auch  die  russische  Flotte,  die  nach  dem  Archipelagus
segeln  wollte,  in  der  Ostsee  zurück  und  erschreckte  Katharinen
mit  seinen  Kanonen  vor  den  Mauern  von  Petersburg.  Allein
England  und  Preussen  liessen  ihn  sich  mit  den  nachhaltigeren
Kräften  Russlands  und  dessen  Umtrieben  unter  seinen  Unterthanen
  verbluten  und  mussten  zusehen,  wie  er  sich  endlich  im
Jahr  1790  zum  Frieden  mit  der  Zarin  verstand.

Ihrem  Höhepunkt  näherte  sich  die  neue  Politik  Friedrich
Wilhelm’s  in  den  Lütticher  Unruhen,  zeigte  aber  auch  dabei
alle  Schwächen  und  Halbheiten,  welche  das  zwitterhafte,  Deutschthum
  und  Preussenthum  mit  einander  mengende  und  beides  noch
durch  ein  starkes  europäisches  Machtgefühl  in  Unruhe  versetzende
Wesen  des  damaligen  Preussens  mit  sich  brachte.

Friedrich  Wilhelm  war  als  Herzog  von  Cleve  in  Gemeinschaft
mit  dem  Herzog  von  Jülich  (Pfalz-Bayern)  und  dem  Bischof  von
Münster  (damals  Kurfürst  von  Köln)  vom  Reichskammergericht
mit  der  Ausführung  eines  Executions-Mandates  beauftragt  worden.
Es  galt  der  Zurückführung  des  Landfriedens,  welchen  die  Bürger
von  Lüttich  am  17.  August  1789  durch  Absetzung  des  alten
Magistrats  und  Einsetzung  einer  neuen  Verwaltung  gebrochen
hatten.  Sie  hatten  der  nicht  gerade  abschlägigen  Antwort  des
Fürstbischofs  auf  ihre  Bitte  um  Beseitigung  des  ihrer  früheren
Wahlfreiheit  entgegengesetzten  Reglements  vom  Jahre  1664  zu
schnell  die  bewafinete  Vollziehung  folgen  lassen.  Friedrich