Das  preussisch-russischo  Verhältniss.  87

Hand  zu  seufzen,  dennoch  liess  er  sich  dazu  verleiten,  auch
noch  an  dem  russischen  Druck  auf  die  polnischen  Autoritäten
zu  Gunsten  der  Dissidenten  Theil  zu  nehmen.  Und  als  nach
der  polnischen  Theilung  von  1772  die  Erfolge  Russlands  in  der
Türkei  und  deren  Bestätigung  durch  den  Frieden  von  Kutschuk-Kainardje
  kamen,  sah  Friedrich  mit  Schrecken,  dass  der  Gewinn
des  siebenjährigen  Kriegs  für  Russland  eben  so  weit  reichend
war  wie  die  durch  die  Festnagelung  der  französischen  Armee  im
westdeutschen  Theater  desselben  Kriegs  gesicherten  Triumphe
Englands  über  Frankreich  in  Nordamerika  und  Ostindien.

Friedrich  stöhnte  über  den  Druck  seiner  mächtigen  Gebieterin
  und  verdeckte  seine  geheimen  Schmerzen  mit  Mühe
unter  den  Galantericen  in  den  Schreiben  an  dieselbe,  dennoch
führte  er  sie  durch  seinen  Gesandten  Görtz  auch  noch  in  die
innere  Leitung  der  deutschen  Angelegenheiten  ein.  Katharina
leuchtete  es  sofort  ein,  welchen  Einfluss  ihr  im  deutschen  Reich
und  dadurch  auch  in  ganz  Europa  die  von  Görtz  im  Namen
seines  Souveräns  ihrem  hochstrebenden  Sinn  angebotene  Stellung
verschaffen  würde.  Friedrich  hoffte  ihr  persönlich  das  Verhältniss
zu  Preussen  angenehm  zu  machen,  indem  er’  ihr  als  Garantin  des
vom  Teschner  angerufenen  westphälischen  Friedens  im  September
1781  das  Gesuch  vortragen  liess,  ausser  ihrem  bisherigen  Vertreter
  am  Regensburger  Reichstage,  „damit  sie  die  Wünsche  und
Bitten  beurtheilen  könne,  welche  die  deutschen  Fürsten  ihrer
Beschützerin“  vorlegen  möchten,  auch  im  Mittelpunkt  Deutschlands
  einen  russischen  Minister  bei  den  Kurfürsten  und  Fürsten
zu  acereditiren.  Die  Sache  kam  zur  Ausführung  und  Friedrich
musste  bald  darauf  die  Erfahrung  machen,  dass  seine  Erfindung
auch  gegen  ihn  gekehrt  werden  konnte.

Für  diese  Demüthigung  des  Oheims  war  es  nun,  dass
Friedrich  Wilhelm  II.  eine  Genugthuung  suchte.

Wie  ein  diplomatisch-militärischer  Hüne  fiel  dieser  König
in  die  Wirthschaften  rings  um  sein  Land  herum  ein,  zerschlug
als  Helfer  einer  Hauspartei  das  Geschirr  und  brachte  das  ganze
Hauswesen  in  Unordnung,  Alles  nur  um  Russland  und  Österreich
bei  ihrem  Unternehmen  gegen  die  Türken  entgegenzutreten.  So
half  er  in  Holland,  Belgien  und  Lüttich;  so  unterstützte  er
Schweden  zu  dessen  eigenem  Ruin,  so  ermuthigte  er  die  Aufständischen
  in  Galizien  und  Ungarn.  Hertzberg,  der  allen  diesen
Lärm  mit  seiner  diplomatischen  Musik  begleitete,  hatte  indessen