Das  preussisch-  russische  Verhältnisse.  91

schuss,  auch  grosse  Monarchicen  in  dieses  Werk  h’ineinzuziehen
verstand  und  dieselben  zugleich  zu  ihren  Dienern  machte.

Der  Spott  der  deutsch-nationalen  Geschichtsschreiber  über
jene  15000  Mann  Hilfstruppen,  welche  Katharina  den  deutschen
Mächten  versprach,  als  sie  dieselben  in  den  Krieg  mit  Frankreich
zu  treiben  versuchte,  ist  sehr  voreilig.  Statt  jenen  Paartausend
Mann  kamen  noch  grosse  Heere.  Suwarow's  Siegeszug  in  Italien
(1799),  die  Schlacht  bei  Austerlitz  (1805),  die  Schlachten  bei
Eylau  und  Friedland  (1807),  die  Schlacht  bei  Borodino  und  der
Brand  Moskau’s  (1812),  das  Einrücken  der  russischen  Armee  in
Deutschland  führten  das  Werk  der  Zarin  zu  Ende  und  gaben
ihrem  Enkel  1815  eine  europäische  Stellung,  wie  sie  der  Wohlfahrtsausschuss
  und  dessen  Erbe,  Bonaparte,  nicht  hatten  behaupten
  können.

Die  lange  Reihe  jener  Feldzüge  ist  zwar  wie  die  entsprechenden
  Anstrengungen  Österreichs  durch  Niederlagen  und
militärische  Nothzustände  bezeichnet,  allein  der  rechte  Kriegsmann
  zeigt  sich  erst  in  der  Erhebung  aus  Nothlagen  als  Meister.
Das  äussere  Schauspiel  der  Napoleonischen  Kriege  schildert
Victor  Hugo  in  seinen  „Elenden“  vollkommen  richtig  als  ein
„Erscheinen  und  Herrschen,  Marschiren  und  'Triumphiren,  Niederschmettern
  der  Völker  und  Dynastieen,  ein  Umgestalten  Europa’s
im  Sturmschritt,  Verkünden  einer  gewonnenen  Schlacht  bei  jeder
Morgenröthe  und  Ausschleudern  ‘von  unsterblichen  Lichtworten.“
Bei  alle  diesem  Liehtglanz  befand  sich  der  siegreiche  Imperator
in  derselben  Nothlage  wie  seine  gedemüthigten  Gegmer.  Er
konnte  wie  diese  auch  nicht  mehr  als  einen  kurzen  Feldzug,
nur  die  Wechselfälle  einer  Schlacht  aushalten.  Wie  die  Gegner
nach  einer  verlorenen  Schlacht  sich  sofort  auf  Friedensunterhandlungen
  einliessen,  so  war  er  selbst  von  dem  Bewusstsein
gepeinigt,  dass  er  siegen  müsse  und  ohne  den  Sieg  verloren  sei.
Die  Guillotine  des  Wohlfahrtsausschusses  stand  nicht  mehr  hinter
ihm,  dafür  quälte  ihn  die  Angst,  dass  es  mit  dem  Zauber  seines
Namens  vorbei  sei,  wenn  er  sich  einmal  auch  nur  zurückziehe.
Die  Ehre  und  der  Ruhm,  den  Reichthum  des  Genies  auch  auf
einem  militärischen  Rückzug  zu  zeigen,  waren  ihm  versagt.
Seiner  Glorie  war  er  es  schuldig,  sich  auch  auf  keine  Unterhandlungen
  zur  Vereinbarung  mit  den  Interessen  der  Völker
und  Fürsten  einzulassen.  Er  musste  behaupten,  was  er  schnell
durch  Überraschung  ergriffen  hatte,  und  diesen  eiligen  Gewinn