Ruhm  und  Hunger.  95

nothwendig  gemacht  habe.  Dagegen  artete  die  Vergesslichkeit
der  zur  Herrschaft  gelangten  Partei  allmälig  in  völlige  Herzenshärtigkeit
  aus  und  als  der  Nothstand  nach  den  Erfolgen  des
französischen  Krieges  cin  öffentliches  und  aller  Welt  fühlbares
Leiden  geworden  war,  liess  sie  den  Finanzminister  Camphausen
denselben,  ohne  Widerspruch  einzulegen,  geradezu  ableugnen;
einer  ihrer  Hauptredner  hatte  sogar  den  Muth  dazu,  cs  „nicht
edel“  zu  nennen,  dass  ein  „Reichsfeind“  sich  unterstand,  an  die
allgemeine  Noth  zu  erinnern.

Wir  finden  eine  ähnliche  Betrachtung  über  die  deutsche
Geschichte,  wie  sie  dem  an  der  Spitze  dieses  Abschnitts  stehenden
Ausdruck  zu  Grunde  liegt,  in  dem  Werk  eines  Mannes  vom
vorigen  Jahrhundert,  aber  inmitten  der  Eingebungen  cincs  feurigen
Gefühls  für  Recht  und  Gerechtigkeit  und  in  der  kermigen  und
nachdrücklichen  Sprache,  die  uns  in  den  vom  Publikum  vergessenen
  Werken  jenes  Jahrhunderts  nach  der  unumgänglichen
Beschäftigung  mit  dem  schielenden  Deutsch  der  heutigen  Dienstmänner
  eine  Erfrischung  darbietet.

Wir  meinen  Ludwig  von  Baczko’s  „preussische  Geschichte“
und  der  geneigte  Leser  wird  uns  im  Laufe  der  gegenwärtigen
Erörterung  Recht  geben,  wenn  wir  an  einige  Sätze  derselben
anknüpfen.  Der  Verfasser,  geboren  den  18.  Juni  1756  zu  Lyk
in  Ostpreussen,  gestorben  zu  Königsberg  den  27.  März  1823,  war
schon  in  früher  Jugend  erblindet,  erwarb  sich  jedoch  als  Lehrer
zuletzt  als  Professor  der  Geschichte  an  der  Artillerie-Akademie
zu  Königsberg,  als  Schriftsteller  wie  als  Patriot  allgeineine
Achtung.  Sein  Vater  zeichnete  sich  im  siebenjährigen  Krieg,
zuletzt  unter  Ferdinand  von  Braunschweig  auf  dem  westlichen
Kriegsschauplatz  als  Commandeur  von  drei  Schwadronen  der
schwarzen  Husaren  aus.  Enthusiasmus  für  Friedrich  U.  und  für
den  preussischen  Dienst  bewogen  ihn,  auf  das  Anerbieten  des
Lord  Gramby,  der  ihm  in  England  sein  Glück  versprach,  wenn
er  daselbst  für  die  Entwickelung  einer  leichten  Cavallerie  thätig
sein  wolle,  nicht  einzugehen.  Sein  Sohn  Ludwig  selbst  gehörte  später
zu  den  Männern,  die  nach  der  Schlacht  bei  Jena  an  der  Zukunft
Preussens  nicht  verzweifelten,  und  verkehrte  viel  mit  den  hohen
Staatsbeamten,  welche  dem  Hof  nach  jener  Stadt  gefolgt  waren
und  über  die  Reformgesetzgebung  zur  Emeuerung  des  Staats
beriethen.  Er  war  einer  der  Begründer  des  Tugendbundes  und
die  Kühnheit,  mit  welcher  er  sich  am  Schluss  seines  Geschichts-