98  Ruhm  und  Hunger.

Schlachten  zerschinolzene  Heer  seiner  Landeskinder  mehrere
Male  mit  unerwachsenen  und  für  die  Mühen  des  Krieges  noch
unreifen  Knaben  ergänzen?  Musste  er  nicht  in  der  folgenden
Friedenszeit,  un  sich  unter  den  europäischen  Grossmächten  als
Gleicher  zu  erhalten,  für  die  Bezahlung  einer  starken  Armee  und
für  die  neue  Sammlung  eines  Kriegsschatzes  zur  Verwaltung  der
Accise  durch  Franzosen  und  zur  Einführung  von  Monopolen
seine  Zuflucht  nehmen  und  sich  in  den  letzten  Jahrzehnten  seiner
Regierung  verhasst  machen?

Die  Fruchtbarkeit  des  Landes  stand  zu  derjenigen  des
Ministeriums  der  auswärtigen  Angelegenheiten  unter  Hertzberg
  und  Haugwitz  so  sehr  &amp;Ausser  Verhältniss,  dass  die
preussischen  Unterthanen  Friedrich  Wilhelm’s  II.  nur  für  die
Bedürfnisse  der  Armee:  arbeiten  und  von  der  prassenden,  mit
der  polnischen  Beute  wuohernden  Hauptstadt  abgesehen,  auf
eigenen  Wohlstand  Verzicht  leisten  mussten.  In  der  Zeit,  als
im  Übergang  von  dem  Jahre  1794  zu  1795  in  Basel  über  den
Frieden  mit  Frankreich  verhandelt  wurde,  schrieb  der  Verfasser
der  Schrift:  „Über  die  politische  Lage  und  das  Staatsinteresse
Preussens“:  „Dadurch,  dass  wir  uns  überall  einen  höheren  Rang
in  Europa  anmaassen,  als  wir  haben  sollten,  uns  in  alle  europäischen
  Händel  mischen,  grosse  Reiche  theilen,  anderen  grossen
Reichen  Regierungsverfassungen  vorschreiben,  setzen  wir  uns  in
die  Nothwendigkeit  nie  herabspannen  zu  können  und  gleichen
wir  immer  den  Leuten,  die,  um  mit  vier  Pferden  fahren  zu
können,  zu  Hause  mit  Weib  und  Kindern  von  Kartoffeln
leben.“

Ludwig  von  Baczko  sagte  von  der  stillen  und  schwermüthigen
  Brüdergemeinde,  unter  deren  Bilde  er  uns  ‘die  Unterthanen
  Friedrich  Wilhelm’s  I.  vorführt,  dass  „es  ihr  beim  Mangel
an  eigenem  Willen  auch  an  eigener  Kraft  gebrach.“  Die  fleissigen
und  betriebsamen  Unterthanen  der  Könige  Friedrich  Wilhelm  III.
und  IV.  (in  den  ersten  Regierungsjahren  des  Letzteren)  hatten
es  unter  den  Anregungen  besonders  der  dreissiger  Jahre  an
eigenen  Unternehmungen  nicht  fehlen  lassen,  dennoch  wurden
sie  an  die  Grenzen  des  Unterthanenverstandes  und  an  ihre  Incompetenz
  zu  einem  Urtheil  über  ihre  wichtigsten  Angelegenheiten
  erinnert.

Und  nachdem  die  karge  Übertragung  der  französischen
Anregung  in  der  Stein’schen  Städteordnung  und  die  spätere  Ent-