Ruhm  und  Hunger.  108

der  Cultur  der  Rheinlande  in  Verkehr  treten  und,  was  ihren  an
Verbindungswegen  und  Chausseen  noch.  sehr  armen  Strecken
fehlte,  herstellen.  Es  wurde  auch  fleissig  gearbeitet,  dabei  mit
Müssigkeit  und.  Zufriedenheit  genossen,  der  Wohlstand  nahm  zu
und  das  Capital  wuchs.

Aber  noch  nicht  hinreichend,  um  die  Strapazen,  denen
‚man  sioh  zuletzt  unterzog,  zu  tragen.

Das  ist  die  ganze  Calamität,  unter  welcher  besonders
die  alten  Lande  der  Monarchie  seitdem  leiden.

Die  Stockung  begann  schon  während  der  Conflictszeit  der
Sechziger  Jahre.  Einige  Anzeichen  des  Nothstandes  nach  dem
österreichischen  Krieg  wurden  noch  nicht  als  Symptome  eines
allgemeinen  Leidens  erwogen.  Bei  dem  Zufluss  der  französischen
Milliarden  ernüchterte  Niemand  den  nationalen  Jubel  durch  die
Erinnerung  an  den  Einfluss,  welchen  die  von  den  römischen
Triumvirn  nach  der  Hauptstadt  zusammengeschleppten  Millionen
auf  die  Steigerung  aller  Preisse  und  den  Nachlass  der  Arbeit
hatten.  Und  inmitten  dieser  Verwirrung  der  Preis-  und  Arbeitsverhältnisse
  trugen  noch  die  kleineren  und  mittleren  Capitalisten
ihre  Ersparniss  vieler  Jahre  zu  den  Gründungen,  um  sie  sich
verdoppeln  zu  lassen  und  gänzlich  zu  verlieren.

Indessen  hatte  sich  das  Publikum  der  alten  Lande  mit  den
Bismarck’schen  Erfolgen  solidarisch  verbunden  erklärt.  Die
Berliner  Blätter  strömten  seit  dem  September  1866  von  Ergüssen
gegen  die  zur  Annexion  bestimmten  Länder  über;  dem  Anscheine
nach  waren  diese  leidenschaftlichen  Berichte,  besonders  aus
Hannover  und  Sachsen  'gegen  die  sogenannten.  Legitimitätsphantasieen
  ihrer  Fürsten  und  deren  Selbststä  itsdi
gerichtet;  in  der  That  galt  es  den  Volksstämmen  und  deren
Abneigung,  sich  unter  der  preussischen  Führung  vollständig
aufzugeben.

In  der  Stiftung  des  Norddeutschen  Bundes  sah  das  Publikum
seine  Berufung  zur  Polizeimacht  über  die  annectirten  und  noch
verschont  gebliebenen  Länder;  die  Gründung  des  deutschen
Reichs  fügte  zu  dieser  polizeilichen  Domäne  noch  Bayern  und
Württemberg  hinzu.  Die  kleinste  Regung  eines  selbst  noch
zaghaften  Selbstgefühls  wurde  mit  einem  Kriegsgeschrei  beantwortet;
  die  nationalliberalen  Blätter  schürten  das  Feuer  und
denuneirten  auch  in  Berichten  aus  Paris,  Florenz  und  Madrid
jede  Bewegung,  die  von  der  rechten  Linie  des  von  ihnen  ge-