Ruhm  und  Hunger.  105

der  letzten  dreizehn  Jahre  ihre  Augen  nur  auf  die  Reichsfeinde
draussen  und  drinnen  gerichtet  hielt,  so  wenig  gründlich  an  eine
finanzielle  Reform  gedacht,  dass  ihr  für  die  Verlegenheit  des
Augenblioks  kaum  etwas  übrig  bleibt,  als  die  Quellen  angeblich
reicher  Erträge  in  ihrer  Hand  zu  centralisiren  und  zu  monopolisiren.
  Die  natürliche  Folge  dieses  Hilfsmittels  wird  die  Errichtung
  colossaler  Arbeitswerkstätten  und  die  Centralisirung
künftiger  Wahlkämpfe  unter  der  Führung  und  Aufsicht  der
Arbeiter-Factoren  und  Inspectoren  sein.

Möge  sich  Ludwig  Bamberger  für  die  Krisis,  die  aus  dieser
Einschliessung  der  Nationalarbeit  hervorgehen  wird,  auf  gediegene
Wahlreden  vorbereiten.

XI.
Die  deutsche  Gewerbenoth  in  der  Bismarck’schen  Ära.

Wie  kam  es,  dass  der  Glanz  der  Bismarck’schen  Ära  nach
den  auswärtigen  Erfolgen  ihrer  ersten  Jahre  so  schnell  wie
kaum  jemals  ein  anderes  Meteor  der  Geschichte  erlosch  und
von  der  Finsterniss  der  inneren  Noth  und  der  Verzweiflung  an
der  Zukunft  abgelöst  wurde?  Diese  Frage  hat  uns  bei  unserer
bisherigen  Betrachtung  der  verschiedenen  Parthieen  des  Bismarckschen
  Werks  schon  immer  beschäftigt;  jetzt  werden  wir  näher
auf  sie  eingehen.

Die  augenblickliche  Lage  des  deutschen  Bürgerthums  hat
nur  im  Verkommen  der  deutschen  Reichsstädte  nach  dem  westphälischen
  Frieden  eine  Art  von  Gegenstück.  Was  in  den
damaligen  kleineren  Verhältnissen  die  aufsteigenden  Landesfürstenthümer
  mit  der  Hebung  der  Gewerbthätigkeit  ihrer
Unterthanen  versuchten,  das  leistet  jetzt  die  freie  Mitbewerbung
der  Nationen  rings  um  das  neue  deutsche  Reich.  Wie  damals
die  Colbert'sche  Steigerung  der  französischen  Kunst-  und  Gewerbethätigkeit
  die  deutschen  Reichsstädte  überflügelte  und  dann
das  Walpole’sche  freie  England  seine  Verbindung  der  Solidität
und  des  Geschmacks  für  die  Hausgeräthe  zur  Geltung  brachte,
so  behaupten  noch  jetzt  beide  Länder  gegen  die  deutschen
Versuche  auf  demselben  Gebiete  ihre  Überlegenheit.  An  die
Stelle  der  Zollgrenze,  mit  welcher  sich  nach  jenem  Frieden  die