Die  deutsche  Gewerbenoth  in  der  Bismarok’schen  Ära.  109

ungen  genau  genommen  keine  Entdeckung  ersten  Ranges  geglückt
  sei,“  allein  er  unterliess  es  zugleich  unter  den  Schülern
dieses  Meisters  desjenigen  Forschers  zu  gedenken,  der  allerdings
durch  eine  solche  Entdeckung  die  Erinnerung  an  seinen  Namen
gesichert  hat.  Es  ist  diess  der  im  Jahr  1861  als  Professor  der
Medicin  an  die  Universität  nach  Königsberg  berufene  und  im
Jahr  1875  auf  einer  Reise  in  Tyrol  verstorbene  August
Müller.  Dessen  Nachweis,  dass  die  Querder  die  Kinder  und
der  unvollendete  Zustand  der  Gattung  der  Neunaugen  sind,
zeigte  der  Naturforschung  in  der  Klasse  der  Fische  dieselbe
Metamorphose,  die  man  bisher  nur  in  der  Klasse  der  Tuurche
kannte,  ist  also  eine  Entdeckung  ersten  Ranges,  die  in  den
Räumen  der  Akademie  wohl  der  Erwähnung  wertl  war.

Ein  Kamerad  von  Dubois-Reymond’s  civilem  Gardecorps,
Theodor  Mommsen,  ward  von  einer  wahren  Angst  gequält,
dass  die  Jugend  noch  zu  altfränkisch-bescheiden  sein  könne,  um
sich  im  Fluge  zu  der  ihr  bestimmten  „geistigen  Suprematie“  zu
üben,  und  in  seiner  Rede  bei  der  Übernahme  des  Rectorats  an
der  Berliner  Universität,  im  October  1874,  rief  er  mit  Donnerworten
  seinen  jugendlichen  Zuhörern  zu:  „wir  sind  stolz  darauf,
Deutsche  zu  sein,  und  haben  dessen  kein  Hehl.  Unter  allen
Prahlereien  ist  keine  leerer  und  falscher  als  die  mit  deutscher
Bescheidenheit.  Wir  sind  durchaus  nicht  bescheiden  und
“wollen  cs  weder  sein,  noch  also  heissen.  Im  Gegentheil,  wir
wollen  fortfahren,  in  Kunst  und  Wissenschaft,  in  Staat  und
Kirche,  in  allem  Leben  und  Streben  durchaus  und  überall  nach
dem  Höchsten  und  allem  Höchsten  zugleich  zu  greifen.“
Dieser  Redner  hätte  dagegen  alle  Ursache,  sich  durch  manche
Einwendungen  gegen  den  Stolz  seines  Lebens,  seine  römische
Geschichte,  an  die  Pflicht  der  Bescheidenheit  mahnen  zu
lassen.  -  Wir  wollen  hier  nicht  von  dem  Mangel  dieser  Schrift
an  einer  Ahndung  der  Gesetze  in  der  Entwicklung  des  Staatslebens
  und  der  Weltreiche,  nicht  von  seinen  unwillkührlichen
Einschränkungen  der  von  ihm  bewunderten  und  verherrlichten
cäsarischen  Schöpfung,  nicht  von  seinen  herabsetzenden  und
wegwerfenden  Urtheilen  über  Männer  und  Schulen  sprechen,
deren  Wirksamkeit  über  das  eäsarische  Werk  hinausgreift.  Wir
nehmen  hier  sein  Geschichtsbuch  nur  als  das  Ergebniss  einer
philologischen  Arbeit,  welche  die  natürliche  Grundlage  jeder
Geschichtsforschung  ist,  aber  nur  das  Material  für  die  weitere