110  Die  deutsche  Gewerbenoth  in  der  Bismarck’schen  Ära.

Untersuchung  der  inneren  Entwicklungsgesetze  liefert,  während
er  selbst  mit  seiner  feuilletonistischen  Zustutzung  des  Stoffs  „das
Höchste“  zu  leisten  glaubte,  und  verweisen  nur  auf  Carl  Peter’s
„Studien  zur  römischen  Geschichte.  Ein  Beitrag  zur  Kritik  von
Th.  Mommsen’s  römischer  Geschichte“  (Halle,  1863).  Dieser
würdige  Schulmann  und  Rector  der  k.  Landesschule  Pforta  hat
gegen  ihn  den  glänzenden  Beweis  geliefert,  dass  seine  Schilderung
der  Parteiverhältnisse  Roms  bis  zum  Ausbruch  der  Bürgerkriege
auch  nicht  philologisch  haltbar  ist  und  den  sichersten  Angaben
der  Quellen  widerspricht.

Dennoch  blieb  dieser  Flügelmann  der  geistigen  Leibgarde
dem  Vorsatz  „durchaus  nicht  bescheiden  zu  sein“  so  treu,  dass
er  auf  dem  ihm  am  25.  April  1876  zu  Rom  von  Sella  als
Präsidenten  der  dortigen  „Academia  dei  Lincei“  gegebenen
Ehrenmahl  in  einer  Tischrede  den  anwesenden  Italienern  und
Franzosen  die  niederschmetternde  Mittheilung  machte,  dass  ihre
Gelehrten,  unbekümmert  um  die  Leistungen  ihrer  Nachbarn,
erschlafft  seien  und  sich  durch  die  Deutschen  hätten  überflügeln
lassen.

‚Wie  der  deutsche  Gelehrte  von  dem  französischen  Tischgaste
Geoffroy  und  von  dem  italienischen  Unterrichtsminister  Capponi
in  Rom  eine  Zurechtweisung  erhielt,  so  zog  sich  ein  anderer
Herold  des  deutschen  Ruhms  in  London  eine  ähnliche  Berichtigung
  im  brittischen  Unterhause  zu.  Der  deutsche  Botschafter
Graf  Münster  hatte  auf  einem  Jahresbankett  des  streng  protestantischen
  „Nationalelubs“  am  17.  Mai  1875,  in  der  Antwort
auf  den,  ihm  zu  Ehren  ausgebrachten  Toast  nicht  nur  der
Stiftung  des  protestantischen  deutschen  Kaiserthums  und  der
Kämpfe  desselben  gegen  die  „ultramontanen  Dunkelmänner“
gedacht,  sondern  den  Engländern  für  die  Vorgänge  in  Irland
Bismarck’s  „von  dem  ganzen  freisinnigen  und  gebildeten  Deutschland“
  unterstützte  Kraft  als  Vorbild  empfohlen,  —  eine  Einmischung
  in  brittische  Verhältnisse,  welche  der  Premierminister
in  der  Unterhaussitzung  vom  20.  Mai  in  Folge  einer  Anfrage
eines  katholischen  Iren  mit  der  schonenden  Bemerkung  zurückwies,
  dass  Graf  Münster  bei  einem  Besuche  Irlands  eine
Parallelisirung  der  Verhältnisse  der  Katholiken  in  Deutschland
und  in  Irland  wohl  unzulässig  finden  werde.

War  es  die  Nachwirkung  des  ergreifenden  Bildes,  unter
welchem  Dubois-Reymond  in  der  Aula  der  Berliner  Universität