Die  deutsche  Gewerbenoth  in  der  Bismarck’schen  Ära.  11

beim  Ausbruch  des  Krieges  von  1870  den  Studirenden  die
Franzosen  vor  Augen  führte,  —  war  es  die  Einwirkung  eines
dichterischen  Geistes,  der  ihn  in  einer  späten  Abendstunde  besuchte,
  —  waren  cs  die  durch  französische  Armee-Örganisationen
gestörten  Nerven,  die  ihn  reizten?  Genug,  wir  wollen  es  unentschieden
  lassen  und  nur  berichten,  dass  Bismarck  selbst  (siehe  '
„Nationalzeitung“  vom  6.  April  1874)  seinen  Besuch,  dem
ungarischen  Dichter  Jokai,  die  Franzosen  als  „einen  nicht  zu
versöhnenden  wilden  Feind,  als  ein  wildes  Volk  schilderte,
welches  sich  sofort  als  indianische  Rothhaut  präsentire,  wenn
man  vom  Koch,  vom  Schneider  und  vom  Friseur  absicht.“

Ausser  dem  Stolz  und  der  Entsagung  auf  das  Laster  der
Bescheidenheit  brachte  die  deutsche  Armee  noch  etwas  Glänzendes
  und  scheinbar  Reelles  zurück,  die  Milliarden,  aber  denselben
  klebte  der  Zauber  an,  dass  sie  bloss  durch  den  Glauben
an  ihre  Unendlichkeit  die  kleinen  und  mittleren  Capitalien  der
Nation  zu  wüsten  Vereinigungen  zusammenzogen  und  sich
endlich  mit  diesen  in  gemeinen  Häckerling  verwandelten.  Im
Frühjahr  1873  begann  nach  einer  anderthalbjährigen  Schwelgerei
die  Abzehrung  der  deutschen  Nationalarbeit.

Wenn  das  Wagniss  Anderer  gegen  eine  ganze  Nation,  für
deren  Anregungen  Deutschland  seit  dem  Mittelalter  verpflichtet
ist,  als  Freibrief  für  ein  ähnliches  Wagniss  gegen  einen  Theil
des  deutschen  Publikums  benutzt  werden  dürfte,  so  würden  wir
diejenigen  Deutschen,  die  sich  mit  ihren  Gründungen  zu  Regulatoren
  der  Milliarden-Überschweinmung  aufwarfen,  auch  einmal
auf  ihre  Haut  untersuchen.  Wir  würden  wahrscheinlich  finden,
dass  sie  mit  ihrem,  in  finanziellen  Dingen  höher  begabten  und
ausgebildeten  Nationen  entlehnten  Putz  die  Rolle  jener  Häuptlinge
  des  dunkeln  Afrika  spielten,  die  stolz  daher  schreiten,
wenn  sie  sich  den  Hut  eines  englischen  Capitäns  aufstülpen  und
ihre  Achseln  mit  dessen  Epauletten  schmücken.

Das  jetzige  Gesammtleiden  Deutschlands  lässt  sich  aber
auch  ohne  ein  bedenkliches  Spiel  mit  der  Hautfarbe  deuten;  es
entsprang  aus  seiner  Unfähigkeit,  den  Goldstrom,  von  dem
es  plötzlich  überfluthet  wurde,  zu  verarbeiten.  Dazu  reichten
seine  Nerven  und  Muskeln  nicht  aus  und  fehlte  ihm  auch  der
nöthige,  hinreichend  ausgebildete  Arbeiterbestand.  Und  gesetzt
den  Fall,  es  wäre  der  fruchtbaren  Benutzung  jenes  Goldes  gewachsen
  und  im  Stande  gewesen,  seine  gewerblichen  Anstalten