Die  deutsche  Gewerbenoth  in  der  Bismarck’schen  Ära.  113

Wir  erfahren  ferner,  dass  der  Engländer  auf  gerechte  Beschwerden
  des  Bestellers  immer  eingeht,  der  Deutsche  aber  sich
niemals  zu  cinem  Schadenersatz  verstehen  will.  Der  Engländer
hält  den  Theil  der  Sendung,  der  nicht  nach  Bestellung  ausfällt,
von  vornherein  zurück  und  verkauft  ihn  anderweitig,  so  gut  er
kann;  seine  Kiste  ist  daher  immer  mustergiltig,  die  des  Deutschen
unzuverlässig.  ‘Der  Letztere  lebt  der  Einbildung,  dass  der
schnelle  und  sichere  Verdienst  auf  den  kleinen  Hilfsmitteln  beruht
  und  ist  im  Ersinnen  des  Abknappens  und  „Schneidens“
erfinderisch;  Engländer  und  Franzosen  beurtheilen  den  Gewinn
mit  weiterreichendem  Auge  und  suchen  ihn  in  der  zuverlässigen
Fortführung  des  Geschäfts.  Einen  besonders  ungünstigen  Einfluss
auf  die  Unterhaltung  des  Verkehrs  hat  auch  die  Gewohnheit
des  Deutschen,  sich  in  unsicheren  Zuständen  der  Länder  drüben
sogleich  zurückzuziehen,  während  z.  B.  der  Engländer  cs  für
eine  Ehrensache  hält,  in  solchen  Stürınen  zu  dem  Hause  zu
stehen,  mit  dem  er  in  guten  und  ruhigen  Zeiten  Geschäfte  gemacht
  hat.

Die  überseeischen  deutschen  Importhäuser  waren  allerdings,
als  sie  ibre  neuesten  Klagerufe  erhoben,  in  einer  bedrängten
Lage.  Die  europäischen  Zufuhren  der  Jahre  1871  und  72  überstiegen
  die  dortigen  Bedürfnisse  und  mussten  sie  auf  viele  Jahre
hinaus  decken.  Die  schwachen  Häuser  fielen,  ihre  Waaren
überfüllten  nach  dem  erzwungenen  Verkauf  die  anderen  Vorrathslager,
  die  Auctionspreise  wurden  maassgebend  und  fernere
Bestellungen  auf  Grund  derselben  und  auf  Kosten  der  Qualität
gemacht.  Aber  den  Franzosen  und  Engländern  wagte  man
drüben  nicht  mit  solchen  Zumuthungen  zu  kommen;  nur  der
Deutsche  ging  auf  Alles  ein  und  suchte  sich  in  der  Ausführung
des  sogenannten  „Schunds,“  während  er  schon  bei  der  Verpflichtung
  zu  guter  Waare  nieht  Wort  hält,  durch  ausschweifende
Unrecllitäten  zu  helfen.

Übrigens  sind  die  heutigen  Klagen  nichts  Neues.  Schon
im  zweiten  Drittel  des  vorigen  Jahrhunderts  hatte  die  schlesische
Leinenindustrie,  wie  deutsche  Schriften  jener  Zeit  beweisen,
durch  die  Unreellität  ihrer  Waaren-Sendungen  den  südamerikanischen
  Markt  verloren.

Mitten  in  diesem  Rückgang  des  deutschen  Exports  hatten
unsere  Landsleute  drühen,  stolz  wie  Moınmsen  den  Deutschen
haben  wollte,  Jahre  lang  die  Amerikaner  von  den  Leistungen
Bauer,  Biemarck'sche  Ära.  8