114  Die  deutsche  Gewerbenotl  in  der  Bismarck’schen  Ära.

unterhalten,  mit  welchen  das  wiedererstarkte  Deutschland  auf
der  Ausstellung  in  Philadelphia  (im  Jahr  1876)  glänzen  würde.
Aber  die  amerikanische  Presse  fasste,  wie  Professor  Reuleaux
in  seinem  ersten  Briefe  vom  industriellen  Schlachtfelde  unterm
2.  Juni  der  „National-Zeitung“  meldete,  ihr  Urtheil  über  jene
Leistungen  in  dem  Satz  zusammen,  dass  die  deutsche  Industrie
dem  Grundsatz:  „billig  und  schlecht“  folge  und  auch  in  den
gewerblichen  und  bildenden  Künsten  keine  anderen  Motive  mehr
kenne,  als  politisch-tendenziöse,  die  auf  den  friedlichen
Weltkampfplatz  nicht  hingehören  und  mit  denen  sich  auch  keine
andere  Nation  hervorgedrängt  habe.  Herr  Reuleaux  konnte  sich
eines  beschämenden  Gefühls  nicht  erwehren,  als  er  diese  Entfaltung
  des  Mommsen’schen  Stolzes  betrachtete  und  in  allen
Ecken  und  Enden  des  deutschen  Aufbaucs  „die  geradezu  bataillonsweise
  aufmarschirenden  Germania,  Borussia,  Kaiser,  Kronprinzen,
  „red  princes‘“  Bismarck,  Moltke,  Roon  in  Poreellan,
Biseuit,  Bronce,  Zink,  Eisen,  Thon,  gemalt,  gestickt,  gewirkt,
gedruckt,  lithographirt  und  gegerbt  sich  entgegenkommen  sah.

In  der  Heimath  selbst  erführ  man  Niederlagen  auf  Niederlagen.
  Sachkenner  hatten  schon  im  Winter  von  1870  auf  71
darauf  aufmerksam  gemacht,  welchen  Einfluss  die  Einverleibung
des  Elsasses,  dieses  Hauptsitzes  der  Geschmacksindustrie,
in  Deutschland  auf  des  Letzteren,  nur  in  der  Nachahmung
der  elsässischen  Muster  aufgewachsene  Druckereien  und  Färbereien
  haben  würde.  Als  die  Einverleibung  vollzogen  war,
überzeugten  sich  die  deutschen  Nachalımungsstätten,  dass  sie
neben  den  älteren,  besser  geleiteten,  mit  grösseren  Capitalien
ausgestatteten,  mit  mehr  Geschmack  und  Kunstbildung,  auch
verhältnissmässig  billiger  arbeitenden  Originalanstalten  sich
nicht  behaupten  konnten.

Die  Centraldireetion  der  Vermessungen  im  preussischen  Staat
musste  erst  von  dem  Rückgang  der  deutschen  Präcisionsmechanik,
  welche  nicht  nur  für  die  öffentlichen  Vermessungen,
sondern  auch  für  die  beobachtenden  Wissenschaften  von  Bedeutung
  ist,  betroffen  werden,  damit  im  Frühjahr  1876  eine
Denkschrift,  an  der  sich  auch  mehrere  Gelehrte  betheiligten,  in
einer  Gruppe  des  Abgeordnetenhauses  in  Umlauf  gesetzt  wurde.
Ob  aber  nach  dieser  schwachen  Anregung  eine  Technik,  in  der
sich  England  und  Frankreich  auszeichneten,  für  Deutschland
möglich  werden,  ob  man  den  Kostenpunkt,  welcher  der