als  Pondant  zu  deutschen  Stimmungen.  127

hat.  Es  gibt  jetzt  kein  Kriegsheer,  worin  die  Köpfe  von  jeder
Art  so  complieirt  und  vereint  waren  als  im  französischen.
Überall,  im  Lager  und  in  den  Städten  ungehinderte  Mittheilung
der  Grundsätze,  Gedanken  und  Erfahrung  unter  den  vielen
Hunderttausenden  von  den  verschiedensten  Gewerken,  —  Landleuten,
  Bürgern,  Kaufleuten,  Gelehrten,  Künstlern!  Das  allgemeine
Aufgebot  war  der  Prometheus  Frankreichs.“

Die  Gütigkeit,  die  im  allgemeinen  Verkehr  herrschte,  lernte
der  deutsche  Magister  von  einer  andern  Seite  kennen,  als  er
nach  der  Aufhebung  der  Blokade  Landau  mit  achtzig  Überläufern
und  400  Kriegsgefangenen  unter  dem  Geleite  von  40  Freiwilligen
nach  Besangon  geschaftt  wurde.  Das  Commando  des  Zugs  hatte
der  Hauptmann  Landrin.  Dieser  und  der  Magister  lebten  wie
Vater  und  Sohn,  nachdem  Ersterer  bemerkt  hatte,  dass  Laukhard,
  als  beider  Sprachen  mächtig,  ihm  Dieuste  und  Gefallen
leisten  könne.  Ihr  Gespräch  bewegte  sich  .oft  um  die  Grundsätze
  des  neuen  Frankreich.  Einmal  setzte  der  Hauptmann  dem
Deutschen  auseinander,  wie  „in  despotischen  Staaten  nur  die
Tugend  d.  h.  das  innere  Bewusstsein,  Gutes  gethan  zu  haben,
und  noch  ferner  Gutes  thun  zu  wollen,  die  wenigen  Weisen,  die
sich  daselbst  finden,  beglücke,  im  Freistaat  aber  die  Erfüllung
der  gesellschaftlichen  Pflichten  auch  äusserlich  glücklich,  geehrt,
beliebt,  kurz,  den  Menschen  so  mache,  wie  er  gern  sein  möchte.“
Der  begeisterte  Republikaner  sprach  die  Überzeugung  aus:  „dass
die  künftige  Generation  in  Frankreich  besser  sein  werde  als
die  gegenwärtige  und  dass  man  in  hundert  Jahren  die  Übung
der  gesellschaftlichen  Tugenden  zum  Wohl  der  Menschheit  für
ebenso  nothwendig  allgeinein  halten  werde,  als  jetzt  das  Athemholen
  für  das  Leben.*

Die  gute  Behandlung,  welche  die  Kriegsgefangenen  genossen,
gibt  dem  deutschen  Abenteurer  oft  Gelegenheit,  auf  die  rauhe
und  harte  Weise,  wie  man  in  Deutschland  gegen  die  französischen
Gefangenen  verfuhr,  einen  vergleichenden  Blick  zu  werfen.  Er
selbst  ruft  einmal,  als  er  sich  auf  einer  vorgeschriebenen  Etappentour
  nach  dem  südlichen  Frankreich  befand  und,  wenn  er  sich
für  einen  Gefangenen  ausgab,  immer  freundlich  und  theilnehmend
aufgenommen  wurde,  fast  wörtlich  wie  jener  1814  bei  Rabais
gefangen  genommene,  von  uns  früher  erwähnte  deutsche  Landwehrmann
  aus:  „ich  fand  sehr  gute,  wohlthätige  Menschen.“

Der  Friedensrichter  zu  Dijon  stellte  zu  Laukhard’s  Zeit