als  Pendant  zu  deutschen  Stimmungen.  129

trat  Laukhard  bei  einem  Doctor  Antoine  in  den  Hospitaldienst
und  war  ihm  mit  seiner  Sprachkenntniss  willkommen.  Die
Militärhospitäler,  in  denen  es  die  Franzosen  auch  den
Fremden  nicht  an  Pflege  und  Arznei  fehlen  liessen,  fand  Laukhard
  in  jeder  Hinsicht,  in  Bezug  auf  Medicin,  ärztliche  Pflege
und  Verwaltung,  musterhaft  eingerichtet  und  auf  Kosten  der
Republik  besorgt.  Für  einen  grossen  Vorzug  derselben  erklärt
er  es,  dass  das  Militär  gar  Nichts  darin  zu  sagen  hatte,  während
in  den  preussischen  und  österreichischen  Hospitälern  Officiere
und  Unterofhiciere  die  Verwaltung  unter  sich  hatten.

Die  Industrie  hatte  gleichfalls  so  bedeutende  Fortschritte
gemacht,  dass  der  Minister  des  Innern,  Frangois  de  Neufchateau
unterm  26.  August  1798  die  Industriellen  zur  Beschickung  einer
Ausstellung  einladen  konnte.  Dieselbe  wurde  am  19.  September
auf  dem  Champ  de  Mars  eröffnet  und  lieferte  den  Beweis,  dass
sich  in  den  Stürmen  der  Revolution  in  den  Provinzen  wie  in
der  Hauptstadt  viele  neue  Ateliers  erhoben  hatten.  Der  Aufschwung
  der  exacten  Wissenschaften  und  die  Nothwendigkeit,
in  der  man  sich  bei  der  Absperrung  durch  Krieg  und  durch  die
englische  Seemacht  befand,  hatten  die  Erfindungskraft  zur  Entdeckung
  neuer  Mittel  und  Methoden  der  industriellen  Arbeit
angefeuert  und  Frankreich  konnte  sich  rühmen,  dass  es  in
einem  zehnjährigen  inneren  und  auswärtigen  Kriege  die  Kraft
gewonnen  hatte,  die  Ära  der  grossen  Industrie-Ausstellungen  zu
eröffnen.

Nun  haben  wir  noch  ein  Gebiet  zu  erwähnen,  auf  welchem
die  Franzosen  ihre  Unverdrossenheit  und  Erfindsamkeit  bewährt
haben.  Die  Zeitgenossen  sind  einstimmig  in  ihrer  Bewunderung
der  Ausdauer,  mit  der  sich  die  Emigranten  nach  dem  Coblenzer,
besonders  von  den  königlichen  Prinzen,  z.  B.  von  Artois,  angeregten
  Taumel  in  ihrem  Elend  in  der  Fremde  zu  helfen  wussten
und  ohne  Klage  sich  mit  der  niedrigsten  Arbeit  und  ärmlichsten
Kost  mit  ihren  Familien  erhielten.  Dutens  schliesst  seine
„Memoiren  eines  sich  ausruhenden  Reisenden“  mit  seinen  Londoner
  Beobachtungen,  wie  Frauen  vom  höchsten  Stande  und
angesehensten  Namen  durch  ihre  Arbeiten  sich  Lebensunterhalt
verschafften  und  Edelleute  sich  den  verschiedensten  Handarbeiten
widmeten,  ohne  deshalb  etwas  von  ihrer  Haltung  zu  verlieren.
Ernst  Moritz  Arndt,  der  sie  auf  seiner  Reise  in  Italien  hatte
kennen  lemen,  widmet  ihnen  in  seinem  Reisewerk  (Leipzig  1804.

Dauer,  Bismarck’sche  Ara,  »