154  Dis  Politik  Bismarck’s  gegenüber  dem  Vaticanischen  Concil,

punkts  betrauter  Bischof  unmöglich  die  Pflichten  des  Gesandten
und  des  Coneilsmitglieds  würde  vereinigen  können.

Für  die  deutschen  Bischöfe  war  Döllinger's  Einvernehmen
mit  einigen  Regierungen  ein  Schreckmittel,  sie  der  Curie
in  die  Arme  zu  treiben.  Sie  erinnerten  sich,  dass  derselbe  im
December  des  Jahres  1848  auf  einer  Katholikenversammlung  das
Bild  einer  grossen  deutschen  Nationalkirche  entworfen  hatte,  —
gedachten  auch  des  damaligen  Gerüchts,  dass  er  sich  selbst  als
den  Primas  des  Nationalinstituts  betrachtete.  Ihnen  selbst  wäre
zur  Einschränkung  der  päpstlichen  Absolutie  der  Schimmer  einer
eigenen  Autonomie  mit  nationaler  Solidarität,  vielleicht  auch
mit  einer  Gesammtvertretung  auf  nationalen  Synoden  angenehm
gewesen;  aber  andrerseits  war,  zumal  wenn  schon  ein  Primas
auf  dem  Plane  stand,  die  Abhängigkeit  dieses  Nationalinstituts
von  einer  deutschen  Bundes-Regierung  nicht  zu  vermeiden.

Mitten  in  der  Pein  dieser  Bedenken  überfiel  die  Bischöfe
ein  wahrer  Schrecken,  als  im  Anfang  des  März  1870  eine  Dankadresse
  des  höhern  Bürgerthums  von  Köln  an  Döllinger  für
seine  freisinnigen  Bemühungen  gegen  die  Pläne  der  Curie  in
Umlauf  kaum.  Jetzt  sahen  sie  die  nationale  Bewegung,  welche
Döllinger  zu  einer  Vereinbarung  zwischen  Bischöfen  und  Regierungen
  in  Pflege  genommen  hatte,  in  die  Kreise  des  liberalen
Bürgerthums  eintreten  und  befürchteten,  dass  nun  die  Gemeinden
in  die  Gewalt  der  Regierungen  kommen  könnten.  Jetzt,  da
zugleich  die  Entscheidungsstunde  des  Concils  nahte,  kamen  sie
untereinander  überein,  dass  der  Protest  ihrer  Fuldaer  Erklärung
vom  6.  September  1869  gegen  die  Möglichkeit  einer  „neuen“,
in  der  Überlieferung  der  Kirche  nicht  begründeten  Lehrbestimmung
  durch  das  Concil,  nur  die  Opportunität  der  Infallibilitäts-Definition
  hatte  bezweifeln  sollen.  Die  wenigen  Anhänger  dieses
Dogma,  welche  das  Fuldaer  Schriftstück  unterzeichnet  hatten,
lebten  von  vornherein  des  Glaubens,  dass  ihr  Credo  nicht  am
Makel  der  Neuheit  leide.

Noch  eine  andere  grosse  Überraschung  brach  den  Widerstand
  des  Episkopats  gegen  die  päpstliche  Centralisation;  die
Bischöfe  mussten  sich  darauf  gefasst  machen,  bei  der  Rückkehr.
aus  Rom  ihre  Heimath  sehr  verändert  zu  finden.  Von  Frankreich
  war  eine  Bewegung  ausgegangen,  welche  sich  auch  in
Deutschland  bemerklich  machte.  Dupanloup  hatte  sie  mit  dem
journalistischen  „Avertissement‘‘  eingeleitet,  welches  er  gegen