Die  Römerzüge  der  Bismarck’schen  Ära.  159

Desavonirung  der  unmuhigen  Reichstagsfraction  aus  dem  Vatican
erreicht  habe.  Der  Bayrische  Gesandte  bei  der  Curie,  Graf
Tauffkirchen,  war  von  ihm  als  zeitweiliger  Geschäftsträger  beauftragt
  worden,  beim  Staatssecretär  Antonelli  sich  zu  erkundigen,
ob  die  Haltung  jener  Fraction  in  ihrem  Auftreten  für  die  Interessen
  des  heiligen  Stuhls  den  Absichten  Sr.  Heiligkeit  des
Papstes  entspreche;  wir  sind  aber  in  dieser  Angelegenheit  nicht
so  reichlich  wie  in  dem  Arnim’schen  Falle  mit  diplomatischen
Actenstücken  versorgt  worden,  um  die  Anfrage  des  Reichskanzlers
  in  ihrer  Urform  zu  würdigen.  Wir  müssen  uns  vielmehr
  an  der  Antwort  Antonelli’s  vom  5.  Juni  auf  des  Bischofs
von  Mainz  besorgnissvolle  Erkundigung  vom  18.  Mai  genügen
lassen,  wonach  der  Staatssecretär  den  nach  Zeitungsnachrichten
eingebrachten  Antrag  auf  eine  Intervention  zu  Gunsten  der
weltlichen  Herrschaft  der  Kirche  für  verfrüht  gehalten  habe.
Die  Recognoseirung  war  also  verfehlt,  da  cin  solcher  Antrag
in  jener  Reichsdebatte  nicht  erfolgt  war.

Indessen  kanı  im  Frühjahr  1872,  als  die  ersten  ernstlichen
Zuckungen  des  Culturkampfs  eingetreten  waren,  ein  eindringlicher
  Interventionsversuch;  es  ist  der  Plan,  ein  trojanisches
Pferd  in  den  Vatican  einzuführen,  —  die  Hohenlohische
Angelegenheit.

Ehe  der  deutsche  Geschäftsträger  von  Derenthall  den
25.  April  1872  an  den  Pforten  des  Vaticans  anklopfte  und  für
den  gefährlichen  Gast  um  Einlass  anfragte,  war  die  „Kölnische
Zeitung“  vom  23.  April  mit  der  Nachricht  beglückt  worden,
dass  der  Cardinal  Hohenlohe  zur  Vertretung  des  deutschen
Reichs  beim  römischen  Stuhl  ausersehen  sei,  und  meldete  der
Telegraph  an  demselben  "Tage  nach  Wien  und  Pest,  dass  sich
eine  Versöhnung  zwischen  der  deutschen  Regierung  und  dem
Papste  vorbereite.  Die  „Norddeutsche  Allgemeine  Zeitung“
von  26.  April  brachte  unbekümmert  darum,  woher  diese  Veröffentlichung
  eines  ministeriellen  Amtsgeheimnisses  stamme,  die
Nachricht  des  rheinischen  Blattes  und  zugleich  die  Deutung
der  „Spener’schen  Zeitung“  von  demselben  Tage,  wonach  es  in
Folge  dieser  „Neubesetzung“  eines  wichtigen  Gesandtenpostens
den  ultramontanen  Reichsfeinden  schwer  sein  würde,  die  Sage
von  einem  Kriegszustande  zwischen  dem  deutschen  Reiche  und
der  katholischen  Kirche  aufrecht  zu  erhalten.  Den  Tag  darauf
setzte  eine  Berliner  Feder  dem  Wiener  „Fremdenblatt“  die  Vor-