Die  Römerzüge  der  Bismarck’schen  Ära.  161

sie,  dass  die  Ernennung  des  Cardinals,  welcher  der  Sage  nach
seinen  Bruder,  den  bayerischen  Ministerpräsidenten,  zum  Kriegsruf
  gegen  das  Coneil  getrieben  habe,  nur  der  „Versuch  des
Reichskanzlers  sei,  die  Jesuiten  auf  ihrem  eigenen  Felde
und  mit  ihren  Waffen  zu  schlagen.“  Der  Correspondent  der
„\Veser-Zeitung“  vermuthete  sogar,  dass  der  Botschafter  des
deutschen  Reichs  dazu  bestimmt  sei,  „in  Roin  bei  emem  kurz
oder  lang  bevorstehenden  Conclave  als  Cardinal  die  Interessen
des  religiösen  Friedens  zn  vertreten“  und  gegen  die  Kirche  der
Jesuiten  den  Kampf  zu  bestehen.

Allein  in  demselben  Augenblick  als  dem  deutschen  Publikum
  das  kunstvoll  gezimmerte  trojanische  Pferd  vorgestellt
wurde,  hatte  man  im  Vatican  beschlossen,  es  nicht  aufzunehmen.

Der  Geschäftsträger  Derentliall  hatte  nach  seiner  vertraulichen
  Anzeige,  dass  der  ernannte  Gesandte  nächstens
selbst  eintreffen  werde,  um  sich  zu  vergewissern,  ob  seine  Ernennung
  dem  JPapste  genehm  sei,  sieben  Tage  lang  vergeblich
auf  eine  Antwort  des  Staatssecretärs  gewartet  und  nach  einem
erneuten  Auftrag  seines  Vorgesetzten  vom  1.  Mai  amtlich
noch  an  demselben  Tage  den  Staatssecretär  um  Mittheilung  der
Entscheidung  des  heiligen  Vaters  ersucht.  Der  Cardinal
Antonelli  erwiderte  ihm  unterm  2.  Mai,  dass  er  gemäss  seiner
vertraulichen  Mittheilung  vom  25.  April  der  Ankunft  des  Cardinals
  Hohenlohe  entgegengesechen  habe,  nun  aber  nach  Einholung
  der  Befehle  Seiner  Heiligkeit  ilım  mittheile,  dass  derselbe
bedauere,  einen  Cardinal  der  heiligen  Kirche,  auch  wegen  der
augenblicklichen  Umstände  des  heiligen  Stuhls  nicht  zur  Annahme
  eines  so  wichtigen  und  delicaten  Amtes  autorisiren  zu
können.

Die  Tagesblätter,  welche  den  Stein  mit  ihren  ermunternden
Zurufen  begleitet  hatten,  mussten  ihm  nun  bei  seinem  Herabgleiten
  ihre  Denksprüche  und  Trostworte  nachrufen.  Die
„Norddeutsche  Allg.  Zeitung“  droht,  diese  Vereitelung  eines
Arrangements,  wonach  der  Papst  in  der  Anschauung  und  Beurtheilung
  deutscher.Dinge  vor  Fälschungen  hätte  gesichert  werden
können,  möge  sich  wohl  in  der  bevorstehenden  Debatte  über
die  Jesuiten-Frage  verwerthen  lassen.  Die  „National-Zeitung"
vom  4.  Mai  stellt  die  Geduld  des  Reichskanzlers  auf  die  Probe,
indem  sie  die  römische  Expedition  in  launigem  Humor  als  ein
„Impronptu“  bezeichnet,  auf  dessen  Ausgang  man  selbst  nicht
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