162  Die  Römerzüge  der  Bismarck'schen  Ära.

viel  Gewicht  gelegt  habe,  und  überfällt  ihn  mit  der  Plauderei
eines  enfant  terrible  und  mit  der  Frage,  was  er  wohl  im  Frühjahr
  1866  gesagt  haben  würde,  wenn  es  Österreich  auch  eingefallen
  wäre,  den  Grafen  Lippe  oder  Herrn  von  Bodelschwingh
zu  scinem  Gesandten  in  Berlin  zu  bestellen.

Die  schwergerüsteten  Officiösen  drangen  indessen  tiefer  in
die  Stimmung  des  Publikums  ein  und  arbeiteten,  z.  B.  in  der
„Weserzeitung*  und  „Frankfurter  Presse"  vom  9.  Mai,  nach
einem  Schema,  wonach  das  Volk  durch  die  päpstliche  Verschmähung
  des  Friedensantrages  ebenso  aufgeregt  sei,  und  ebenso
leidenschaftlich  den  Krieg  verlange,  wie  es  in  den  Einser  Julitagen
  des  Jahres  1870  den  Kriegsruf  erhob.

Obwohl  die  Mythe  jener  Tage,  dass  es  in  Eins  damals
einen  Beleidiger  und  einen  Beleidigten  gegeben  habe,  von  gewichtiger
  Stimme  längst  widerlegt  war,  spielte  die  lrinnerung
an  diese  angebliche  Begebenheit  in  den  Kriegsrufen  der  officiösen
Presse  eine  schr  wichtige  Rolle  und  Bennigsen  knüpfte  an  die
dadurch  erregte  „gemeinsame  lanpfindung  des  deutschen  Volks"
an,  als  er  in  der  Reichstagssitzung  vom  14.  Mai  1872  die  päpstliche
  Zurückweisung  der  Friedenshand  als  eine  „gegen  das
Oberhaupt  des  deutschen  Reichs  gerichtete  Verletzung“  bezeichnete.
  .

Die  Angelegenheit  war  in  ihren  allgemeinen  Umrissen  nothdürftig
  erledigt,  als  Windthorst  in  ders"lben  Reichstagssitzung,
auf  die  Bemerkung  des  Reichskanzlers,  dass  ihm  in  seinen  einundzwanzig
  diplomatischen  Amtsjahren  noch  kein  ähnlicher  Fall
vorgekommen  sei,  erwiderte,  dass  diessmal  auch  zum  erstenmal
der  Diener  eines  andern  Souverains  auserkoren  war,  bei  seinem
Dienstherrn  für  den  Monarchen,  der  ihn  zu  seinem  Gesandten
gewählt  hatte,  dessen  Dienste  zu  verrichten.

Allein  die  spätere  Arnim-Angelegenheit  brachte  mehrere
Schriftstücke  zu  Tage,  die  auf  die  Hohenlohe’sche  Sache  ein
sehr  belehrendes  Licht  warfen.  In  jenem  an  den  Kaiser  gerichteten
  und  am  24.  Januar  1876  im  Reichsanzeiger  veröffentlichten
  Bericht,  erinnert  der  Reichskanzler  daran,  wie  ihm,  als
er  den  Versuch  machte,  die  Gefahren,  die  ihm  Arnim’s  Charakter
in  Paris  zu  bedingen  schien,  durch  seine  Versetzung  nach  London
abzuschwächen,  bei  der  ersten  Anfühlung  an  letzterem  Ort,
„der  heftigste  Protest  wegen  Arnims  Neigung  zur  Intrigue
und  Unwahrheit“  entgegentrat.  Nun,  damals  sah  er  in  dem