Die  Römerzüge  der  Bismarck’schen  Ära.  168

Protest,  der  ihn  bei  der  ersten  Anfühlung  überraschte,  keine
Beleidigung,  gab  er  vielmehr  sein  Vorhaben  sofort  auf  und  auch
der  Areopag  der  officiösen  Blätter  empfand  bei  der  Veröffentlichung
  jenes  Berichts  keine  nationalen  Blutwallungen.

Der  Expedition  dagegen,  welche  den  Cardinal  Hohenlohe
in  den  Vatican  schaffen  sollte,  war  keine  Anfühlung,  keine
Anfrage,  ob  seine  Person  dem  Papste  genehm  sein  würde,  vorausgegangen,
  wenn  man  nicht  die  frühzeitigen  Anmeldungen
des  Römerzuges  durch  die  officiösen  Blätter  als  eine  solche  Ankündigung
  betrachten  soll.  Vielmehr  die  beiden  Schreiben
Derenthall's  vom  25.  April  und  1.  Mai  an  Antonelli  melden
barsch  und  kategorisch  die  vollzogene  „Ernennung“  des  neuen
Gesandten,  der  nach  dem  bald  zu  erwähnenden  Schreiben
Bismarck’s  an  Harry  von  Arnim  nur  „behufs  Übergabe  seines
Creditivs‘'  nach  Rom  zu  reisen  hatte.

Das  betrifft  den  Geschäftsgang.  Eine  andere  Frage  ist  die
der  Person.  In  seiner  Reichstagsrede  vom  14.  Mai  1872
nannte  Bismarck  die  Befürchtungen,  die  man  auf  evangelischer
und  liberaler  Seite  an  die  kirchliche  Stellung  des  Cardinals
knüpfte,  unbegründet,  da  „ein  Gesandter  nur  das  Gefäss  sei,“
dessen  Werth  allein  in  seinem  Inhalt,  den  Instruktionen  des
Auftraggebers  bestehe.  Allein  dieses  Gefäss  hatte  noch  besondere
  Annehmlichkeiten,  die  dann  wohl  dem  Auftraggeber,
  aber  nicht  dem  Souverain,  dem  es  zugeschickt  wurde,
gefallen  konnten.  In  der  Depesche  vom  28.  April  1872,  in
welcher  Bismarck  Harry  Arnim  die  Ernennung  Hohenlohe’s  zum
römischen  Botschafterposten  meldet,  setzt  er  ihm  die  Eigenschaften
  auseinander,  welche  denselben  für  diesen  Posten  besonders
  geeignet  machen.  Er  hebt  hervor,  wie  derselbe,  der
Rom  nach  dem  Einzug  der  italienischen  Truppen  verlassen  hatte
und  seitdem  in  Deutschland  lebte,  „den  Strömungen,  die  eine
so  bedauerliche  Richtung  bekommen  haben,  sich  niemals  hingegeben
  habe.“  Fügen  wir  noch  hinzu,  dass  Fürst  Chlodwig,
als  Windthorst  in  der  Debatte  vom  14.  Mai  nach  den  Geschäften
fragte,  welche  den  Cardinal  in  Deutschland  zurückhieiten,  aufstand
  und  erklärte,  dass  sein  Bruder  daselbst  weile,  weil  er  „in
Rom  die  seinen  Fähigkeiten  und  Wünschen  entsprechende
Stellung  nicht  gefunden  habe,“  so  wird  man  die  Entscheidung
Pius  IX.  nicht  mehr  befremdlich  finden  können.