Die  Römerzüge  der  Bismarck'schen  Ära,  167

über  den  „Umsturz  der  bisherigen  Papstwahlordnung“  fand  in
dem  officiösen  Schrei  über  die  „eanonistische  Revolution,"  welche
das  Gesetz  von  Jahrhunderten  mit  einem  Federstrich  aufhob
und  die  deutsche  Regierung  von  jeder  ferneren  Rücksichtnahme
gegen  die  revolutionäre  Curie  befreite,  ein  lebhaftes  Echo.
Ein  Berliner  Blatt  sprach  es  endlich  offen  aus,  dass  nach  dieser
Kriegserklärung  Roms  das  deutsche  Reich  gegebenen  Falls  zur
Aufrichtung  einer  von  Rom  unabhängigen  katholischen  Kirche
schreiten  und  sich  einen  eigenen  nationalen  Papst  schaffen
könne.

Allein  auch  dieses  Nachspiel  sollte  wie  die  vorhergehenden
Römerzüge  ein  schnelles  Ende  nehmen.  Erstlich  beschränkte
sich  die  angeblich  umstürzende  Neuerung  der  Bulle  auf  die
Bestimmung,  dass  bei  der  jetzigen  Nothlage  der  Kirche,  in
Übereinstimmung  mit  einer  langen  Reihe  von  Verfügungen
früherer  Päpste  bei  einer  Neuwahl  mehrere  Formalitäten  ausser
Gebrauch  gesetzt  werden  dürften;  die  Spenersche  Mythe,  dass
dieser  Act,  noch  ehe  der  Leichnanı  des  verstorbenen  Papstes
erkaltet  sei,  in  Kraft  trete,  fand  sich  in  der  Bulle  nicht
einmal  vor.  Sodann  hätte  die  Erwähnung  Monaco’'s,  die  Bestimmung,
  dass  nöthigenfalls  auch  in  diesem  Fürstenthum,  wie
in  irgend  einer  französischen  Stadt  oder  in  Malta  die  Neuwahl
stattfinden  dürfe,  die  Freude  über  die  wichtige  Iöntdeckung
etwas  mässigen  sollen.  Als  aus  dem  Vatican  der  Berliner
„Germania“  am  15.  Januar  die  Nachricht  zukam,  dass  die  Bulle
ein  apokryphes  und  einem  seit  acht  Jahrzehnten  existirenden
päpstlichen  Erlass  nachgebildetes  Machwerk  sei,  wies  jenes  Blatt
nach,  dass  der  Fälscher  im  Datum  seiner  Bulle,  am  28.  Mai
1873,  Pius  IX.  m  das  achtundzwanzigste  Jahr  seines  Pontificats
versetzte,  obwohl  dasselbe  erst  am  26.  Juni  jenes  Jahres  eintrat.
Während  endlich  die  „National-Zeitung“  die  schriftliche  Zusicherung
  eines  Jenaer  Gelehrten  (vom  18.  Januar)  veröffentlichte,
wonach  die  Bulle,  wenn  sie  auch  unecht  wäre,  „mit  grossem
Geschick  verfertigt  sein  würde,“  entschied  das  „ultramontane*
Blatt  die  Frage  durch  eine  gediegene  philologische  Untersuchung.
  Es  wies  nach,  dass  der  Fälscher  die  Bulle  Pius  VI.
vom  18.  November  1798  schülerhaft  umschrieben  und  z.  B.
Relativworte  beibehalten  hatte,  ohne  die  vorhergehenden  Angaben,
  auf  welche  sich  dieselben  beziehen,  mit  aufzunehmen.
In  Folge  der  Freiheit,  welche  Pius  auf  seinem  gewaltsamen