170  Der  Jesuitenkrieg  der  neuen  Ära,

liche  Kriegslist  versuchte  man  jetzt  gegen  den  bösen  Gast,  der
das  geistige  Firmament  der  Reichsbürger  verfinstern  wollte,
erfand  für  ihn  einen  Kriegsnamen  und  erhob  den  Kriegsschrei
gegen  ihn  zur  Tagesordnung.  Wie  wir  aus  dem  Schreiben  Harıy
Arninr’s  an  seine  süddeutschen  Freunde  des  Jahres  1870  ersehen,
war  damals  dieser  Kriegsname  schon  bekannt  und  im  Jesuitenorden
  der  wahre  Anstifter  und  Leiter  des  vaticanischen  Concils
entdeckt.  Als  sodann  mit  dem  Auftreten  der  katholischen  Minderheit
  im  Reichstag  die  vaticanische  Gefahr  dem  deutschen  „Norden“
auf  den  Leib  rückte,  erwarb  sich  Bluntschli  um  die  gute
Sache  das  Verdienst,  dass  er  unter  diesem  Kriegsschrei  die
nationalen  Schaaren  für  den  Zug  gegen  den  ausländischen  Eindringling
  sammelte  und  in  ihren  Cantonnements  ordnete.  Seine
Unfruchtbarkeit  auf  dem  wissenschaftlichen  Gebiet  ersetzte  der
neue  Peter  von  Amiens  durch  diese  Mobilisirung  der  Massen
und  als  geeigneter  Generalstab  diente  ihm  der  Protestantenverein,
der  seine  entsprechende  wissenschaftliche  Unfruchtbarkeit  und
praktische  Erfolglosigkeit  durch  die  rührende  Geduld  und  Ausdauer
  gut  macht,  mit  der  er  von  Jahr  zu  Jahr  seine  Thesen
über  Geist  und  Schriftwort,  Freiheit  und  Consistorialregiment
wiederholt.

So  strömten  auf  den  Betrieb  des  Agitators  die  gegen  die
Jesuiten  gerichteten  Petitionen  in  den  Reichstag,  wo  sie  im  Mai
1872  ihre  erste  Verwerthung  fanden  und  im  Juni  darauf  der
letzte  Aufzug  des  Jesuiten-Drama’s  folgte,  und  in  beiden  Acten
stellte  sich  der  rechte  Mann  ein‘,  der  mit  seiner  Begabung  für
die  Ausdehnung  und  Einschrumpfung  einer  wissenschaftlichen
Construction  ganz  dazu  geschaffen  war,  dem  finstern  Gestirn  ein
Ende  zu  bereiten.  Das  war  Gneist.  Besonders  in  der  Schlussdebatte
  vom  19.  Juni  bewirkte  dieser  Dialektiker,  ehe  der  Vorhang
  fiel,  einen  glänzenden  Effect,  indem  er  ein  Bild  von  dem
Plan  entrollte,  wonach  die  Jesuiten  seit  dem  Anfang  der  sechziger
  Jahre  auf  die  Erweiterung  der  Macht  der  Curie  hinarbeiteten,
ihr  die  Geistlichkeit  sammt  den  Bischöfen  unterwarfen  und  von
ibren  deutschen  Stationen  aus  auch  die  Reichsbürger  in  folgsame
Bataillone  und  Regimenter  umwandelten.  Dies  rednerische
Finale  war  für  die  Abstimmung,  die  sogleich  darauf  erfolgte,
entscheidend.

“  Allein  sowohl  der  parlamentarische  Geschichtsmaler  als  auch
Andere,  die  vor  und  nach  ilm  die  Neuheit  der  gegenwärtigen