Der  Jesuiteukrieg  der  neuen  Äre.  176

belohnt  worden  war,  kam  die  Zeit,  wo  er  die  Welt  nicht  mehr
verstehen  sollte.  Neue  'Triumphe  schienen  ihm  gewiss  zu
sein.  Der  Kaiser  war  Anfangs  Sieger,  die  Dietatur  ihm  gewiss,
das  Haus  Habsburg  konnte  das  gebietende  Wort  in  Europa
sprechen  und  der  Orden  am  Glanz  des  Erfolges  theilnehmen.
In  diesem  Augenblick  der  Ernte  trat  eine  neue  Idee  auf,  an
deren  Ausarbeituug  der  Orden  unschuldig  und  auf  die  er  nicht
einınal  vorbereitet  war.

“  Kein  Geringerer  als  Papst  Urban  VII.  erklärte  sich  für
Richelieu's  Idee,  im  Bunde  mit  dem  deutschen  Protestantismus
die  österreichische  Dietatur  zu  brechen;  Urban  erwartete  vom
Schwedenkönig  die  Freiheit  der  katholischen  Kirche,  die  ihm
durch  die  exelusiv  katholische  Tendenz  Ferdinands,  durch  dessen
Siege  und  durch  den  Ernst,  mit  dem  er  die  Schirmvogtei  über
die  Kirche  in  Anspruch  nahm,  gefährdet  schien;  derselbe  Papst
erklärte  sich  auch  in  Widerspruch  mit  den  Jesuiten  gegen  das
Ferdinandische  Restitutionsediet  des  Jahres  1629,  wonach  der
Besitzstand  der  beiden  Kirchen  in  Deutschland  auf  dem  Fuss
der  Zeit  des  Passauer  Vertrags  geregelt  werden  sollte.  Eine
gleiche  Überraschung  für  die  Jesuiten  war  die  Allianz,  welche
der  Kaiser  Leopold  1689  mit  Holland  und  durch  Vermittelung
des  Letzteren  mit  Wilhelm  IIL,  der  Seele  des  Unternehmens,
gegen  Frankreich  und  Ludwig’s  XIV.  katholische  Misere
auf  demFestlande  und  in  dem  Inselreiche  abschloss.

Die  Verhandlungen  des  deutschen  Reichstages  vom  15.  und
16.  Mai  1872,  die  unmittelbar  auf  die  Hohenlohe-Debatte  vom
14.  folgten,  haben  keinen  Beweis  dafür  aufgebracht,  dass  der
Orden,  über  dessen  Schicksal  man  berieth,  wieder  Kraft  und
Geist  zu  einer  grossen  politischen  Wirksankeit  gesammelt
hat.  Nur  wegen  der  „Bewegung,“  welche  der  Berliner  Abgeordnete
  Windthorst  mit  dem  Schluss  seiner  Rede  hervorrief,
erwähnen  wir  dessen  pathetischen  Knalleffect.  Wie  schwach
mussten  die  Nerven  einer  Versammlung  sein,  welche  sich  durch
den  Fluch:  „möge  am  24.  August  d.  J.“  (dem  Datum  der  Pariser
Bartholomäusnacht  von  1572)  „kein  Jesuit  mehr  den  deutschen
Boden  entweihen“  elektrisirt  fühlte.

Der  Eindruck  dieser  Phrase  auf  die  Reichsvertreter  erinnert
uns  an  das  Wort,  mit  welchem  Stephan  Schulz,  Missionär,
zuletzt  Director  des  Callenbergischen  Institutum  judaicum  in
Halle,  seinen  Bericht  über  die  Gründonnerstag-Scene  (des  Jahres