178  Der  Jesuitenkrieg  der  neuen  Ära.

der  Regierung  an  die  Feindschaft  Roms  und  der  Centrumpantei
der  allein  richtige  und  orthodoxe  ist.  Er  glaubt,  dass  sein
Glaube  an  das  Recht  der  Regierungen,  „von  deren  Freundschaft
er  doch  auch  seine  Erfahrungen  gemacht  habe,“  eine  wirksame
Propaganda  machen  und  die  Zweifler  von  der  Gerechtigkeit  und
Nothwendigkeit  der  vorgeschlagenen  Maassregeln  überzeugen
werde.  Gläubig  will  er  den  Regierungen  die  ihnen  nothwendig
scheinende  Gewalt  „in  die  Hände  legen“  und  glaubt,  dass  sie,
nachdem  ihnen  das  vorliegende  Gesetz  in  dieser  Angelegenheit
Luft  gemacht  hat,  „sieh  der  Entwicklung  des  modernen  Staats
zuwenden  und  keine  Herrschaft  über  die  Gewissen  ausüben
werden.“  Nur  nach  einer  Richtung  hin  ist  dieser  Glaubensheld
ungläubig  —  gegen  Volk,  Wissenschaft,  Lehrfreiheit,  Recht
der  Prüfung.  Da  könnte  man  lange  warten,  meint  er,  wenn
er  an  das  Stichwort  der  „geistigen  Waffen  und  des  Siegs  der
Wahrheit“  geräth;  er  will  den  Erfolg  sichtbar  und  fühlbar  sofort
und  auf  der  Stelle  haben.

Bekanntlich  werden  schwache  Leute,  wenn  sie  Nachts  durch
einen  Wald  müssen  oder  sich  in  einem  Zimmer  befinden,  wo  es
spukt,  Helden  und  zeigen  durch  lautes  Reden,  dass  sie  ein  Herz
im  Leibe  haben.  So  sprach  auch  aus  den  Reden  der  Mehrheit
ihr  Gefühl  von  der  Unheimlichkeit  des  Bodens,  auf  den  sie  sich
gewagt  hatten.  Eine  innere  Stimme  sagte  ihnen,  dass  sie  Gefangene
  ihres  Entschlusses  waren  und  der  blosse  Gedanke  an
den  Rückzug  oder  ein  augenblickliches  Stillestehen  das  Eingeständniss
  der  Niederlage  sein  würde.  Darum  waren  sie  froh,
wenn  hinter  ihren  Reihen  der  Nothruf  sich  hören  liess:  „wir
dürfen  den  Reichskanzler  nicht  sitzen  lassen;“  Schulze  traf
mit  seinem  „weiter,  immer  weiter!“  die  Stimmung  der  Seinigen
und  die  „Spenersche  Zeitung,“  die  zwei  Tage  nach  dem  Schluss
der  Debatte  mit  ihrer  Bulle  „praesente  eadavere"  für  die  Fortsetzung
  des  Kriegslärms  sorgte,  verstand  die  Lage  nach  dem
ersten  Schlachttage  sehr  richtig,  wenn  sie  die  Kreuzlahrer  am
15.  Juni  mit  dem  Ruf:  „wir  können  nicht  mehr  zurück,  wir
müssen  diesen  Kampf  durchfechten,“  zu  neuen  Anstrengungen
erinuthigt.

Noch  eine  besondere  Angst,  welche  die  Fieberhitze  der
Ritter  erzeugte,  hatte  Schulze  in  seiner  Rede  verrathen.  Seine
Genossen  hegten  in  der  That  die  Besorgniss,  dass  die  Regierung
sie  bei  Gelegenheit  bei  Seite  lassen  könne,  und  darum  besonders