186  Eine  Stimme  aus  der  neuen  Ära  über  die  Isolirten.

schliesslich  als  Erfinder  der  verständigen  ‚Vereinbarung  und
Ausgleichung  mitten  im  täglichen  Wirbel  der  bürgerlichen  Bedürfnisse
  die  Geschichtsdämmerung,  Die  Person,  welche
die  Germanen  in  ihren  Wäldern  ahnten,  die  griechischen
Privaten  im  Sieg  der  militärischen  Dietatoren  aufrecht  erhielten,
die  christliche  Botschaft  am  Kreuz  als  den  Sieger  über  die  Welt
verkündete,  wird  hier  den  Schluss  den  Geschichte  bilden.

Allerdings  gab  es  in  Rom,  während  die  geistigen  Kinder
der  Einsiedler  der  macedonischen  Zeit  in  ihrer  „traurigen  Isolirtheit“
  die  ersten  Entzückungen  der  christlichen  Mysterien  erlebten,
  Vergnügte  und  Befriedigte,  die  sich  der  Pflege  der
sittlichen  Objectivität  widmeten.  Die  Geschichtsbücher  des
zweiten  Jahrhunderts  erzählen  uns  aber  auch  von  den  blutigen
Opfern,  welche  der  Argwohn  ihres  kaiserlichen  Herın  verlangte,
und  vor  Allem  ist  der  Hauptwächter  der  „sittlichen  Objectivität“
nicht  zu  vergessen,  der  in  der  Cäsarenzeit  als  der  Dritte
zwischen  dem  Herrn  und  seinen  Diener  auftritt,  —  es  war  die
Armee.  Hätte  Prof.  Steinthal  diesen  Mittler  beachtet,  so
würden  ihm  die  Isolirten  weniger  traurig  und  auch  mancher
melancholische  Zug  in  den  Mienen  seiner  nächsten  Umgebung
erklärlich  erschienen  sein.

Jener  Macedonier  sagte  zu  seinem  königlichen  Gefolge:
„wäre  ich  nicht  Alexander,  so  möchte  ich  Diogenes  sein.“  Dieser
Ausspruch  des  Mannes,  dem  damals  Griechenland  zu  Füssen  lag
und  bald  darauf  Asien  huldigen  sollte,  wirft  auf  das  Verhältniss,
in  welchem  die  beiden  Träger  des  damaligen  Selbstgefühls  zu
einander  standen,  ein  Licht  wie  der  Blitz,  der  plötzlich  das
Dunkel  einer  Nacht  erhellt.  Die  Imperatoren  auf  der  Höhe  ihres
Throns  waren  auch  Isolirte,  wie  die  Einzelnen  unten,  die  ihr
Innres  gegen  die  Macht  der  Zerstörung  bewaffneten.  Der  Unterschied
  zwischen  Beiden  bestand  nur  darin,  dass  jene  Oberen  die
Rechte,  Ehren  und  Zierden,  welche  bisher  an  die  ständischen
Körperschaften,  Nationen  und  deren  freigewählte  Vertreter  vertheilt
  waren,  aufsogen  und  zu  ihrer  Glorie  vereinigten,  während
die  Elenden  abseits  des  Throns  die  immateriellen  Güter,  welche
die  Nationen  zur  Zeit  ihrer  zeugenden  Kraft  geschaffen  hatten,
in  ihrem  Innern  zusammenfassten  und  in  einem  persönlichen  Ideal
verkörperten.  Die  Verwandtschaft  beider  Seiten  drückte  Kaiser
Caligula  eben  so  treffend  und  geistreich  aus  wie  der  Macedonier,
als  er  (siehe  Suetonius,  Caligula,  cap.  19)  sagte,  „Nichts  schätze