Eine  Stinme  aus  der  neuen  Ära  über  die  Isolirten.  189

den  Dickichten  dieser  Freiheitsstätten  nach  Boston  und  erlitten
den  Tod  am  Galgen,  bis  sie  diese  letzte  Stätte  des  Glaubensdrucks
eroberten  und  die  neue  \Velt  gründeten.

Wie  dem  Sprecher  der  neuen  Ära  das  Schwert  des  Glaubens
höchst  fatal  ist,  so  kann  er  sich  nicht  genug  darüber  verwundern,
dass  in  meiner  Schrift  eine  bekannte  'Thatsache,  die  Eımancipation
der  christlichen  Kinder  Athens  vom  jüdischen  Gesetz,  eine
Stelle  gefunden  hat.  Jr  selbst  treibt  die  Kunst,  das  Alte  zu  vertiefen,
  so  hoch,  dass  er  sich  sogar  für  die  „Gebetsriemen“  des  alten
Gesetzes  erwärmt.  Seine  Vertiefung  des  Alten  bringt  es  dahin,
dass  er  nachträglich  alle  Regungen  des  Selbstgefühls  und  eignen
Urtheils,  die  in  meiner  Schrift  als  Signale  zum  Aufbruch  aus  einem
verrotteten  Lager  eintreten,  zu  Träumen  ärmlicher  Isolirter  herabsetzen
  und  die  Welt  auf  das  Maass  seines  specifischen  Alten
zurückbringen  ınöchte.  So  erscheint  es  ilım  auch  als  ein  Attentat
auf  die  Heiligkeit  des  mosaischen  Gesetzes,  dass  ich  in  meiner
Schrift  darstelle,  wie  dasselbe  in  der  römischen  Seele,  die  es  mit  der
griechischen  Weisheit  in  ihr  Innres  aufgenommen  hatte,  eine  tiefgreilende
  Kritik  und  Veränderung  erfuhr.  „Woher  kam  diese
Kritik,  fragt  er,  weshalb  war  sie  nothwendig?"

Ich  werde  den  geneigten  Leser  nicht  zu  guter  Letzt  ermüden
und,  um  diesen  Verehrer  und  Vertiefer  des  Alten  zu  belehren,  aus
meiner  Schrilt  die  Erklärung  jener  Kühnheit  wiederholen,  welche
die  1solirten  der  ersten  Christenheit  zu  Herren  des  Sabbaths  machte,
die  Reinheit  des  Herzens  über  die  Reinlichkeitsgesetze  erhob,  die
Willkür  des  Mannes  durch  die  Unauflöslichkeit  der  Ehe  fesselte
und  ein  unfreundliches  Wort  gegen  den  Nächsten  mit  der  tiefsten
Hölle  bestrafte.

Aber  ehe  ich  diesen  Vertiefer  des  Alten  verlasse,  will  ich
ihm  doch  zum  Abschied  die  freudige,  allerdings  auch  schon  in
meiner  Schrift  reichlich  ausgeführte  Mittheilung  machen,  dass  sein
Schmerz  über  das  Attentat  gegen  das  Gesetz  sich  bereits  in  den
ersten  Überarbeitungen  der  evangelischen  Urschriften  vorfindet.
Schwache  Gemüther  erschraken  schon  im  christlichen  Alterthum
über  die  Anspannung  jener  moralischen  Forderungen  und  haben
im  Sinne  dieser  zaghaften  Bedenklichkeit  den  Buchstaben  der
Urschriften  abgeschwächt.  In  meiner  „Philo-“schrift  habe  ich
dieses  Zurückweichen  von  der  Zuversicht  der  ersten  Schöpfung  als
die  Ahnung  der  Götterdämmerung  gedeutet,  der  sich  keines
der  historischen  Religionssysteme  hat  entziehen  können.  Diese