194  Friedrich  Wilhelm  II,  König  von  Preussen  und  Danton.

kam  es  darauf  an,  dass  Ludwig  XVI.  die  Hand  gefesselt  und
ihm  die  alte  Prärogative  seiner  Vorfahren,  über  Krieg  und
Frieden  zu  entscheiden,  entzogen  würde.  Die  Berechnungen  des
Berliner  Cabinets,  wonach  England  mehr  als  es  dessen  Interessen
und  Absichten  entsprach,  zur  Vertreibung  Österreichs  aus  dem
aufständischen  Belgien  mitwirken  sollte,  waren  in  ihrem  scheinbar
wirksamsten  Hebelwerk  bedroht.  England  selbst  stand  plötzlich
vor  einem  Kriege  und  rüstete  eine  ansehnliche  Flotte  aus,  als
Schiffe  seiner  Angehörigen  in  der,  von  Spanien  in  Anspruch  genommenen
  Nootka-Bai  Califomiens  aufgehoben  waren.  Spanien
rief  auf  Grund  des  Bourbonischen  Familienvertrags  Frankreichs
Hilfe  an  und  schon  sprach  Ludwig’s  Minister  des  Auswärtigen,
Montmorin  in  dem  am  14.  Mai  1790  an  die  Nationalversammlung
  gerichteten  Schreiben  die  Hoffnung  aus,  dass  dieselbe  die
Mittel  zu  einer  bewaffneten  Vermittlung  zwischen  den  beiden
vor  dem  Krieg  stehenden  Mächten  bewilligen  werde.  Die  Regierung
  verliess  sich  auf  den  kwz  zuvor  zwischen  Mirabeau
und  dem  Hofe  abgeschlossenen  Vertrag  und  hoffte  mit  dessen
Beistand  zu  einem  Kriege  zu  kommen,  welcher  ihr  gegenüber
der  Demokratie  der  Versammlung  eine  ansehnliche  Verstärkung
verschaflen  musste.

In  dieser  Verlegenheit  ertheilte  Friedrich  Wilhelm  seinem
Gesandten  in  Paris,  dem  Grafen  Goltz,  die  Anweisung,  mit  den
Demokraten  Pethion  und  Barnarve  zu  unterhandeln  und  dieselben
  mit  Geld  für  den  Kampf  gegen  die  königliche  Initiative
in  der  Kriegs-  und  Friedensfrage  zu  erwärmen.  Max  Duncker
hat  in  seinem  Vortrag  in  der  Sitzung  der  Akademie  der  Wissenschaften
  vom  23.  März  1876,  zur  Feier  des  kaiserlichen  Geburtstags
  aus  seinen  archivalischen  Studien  Einiges  über  diesen  diplomatischen
  Feldzug  mitgetheilt  und  die  „Nationalzeitung“  hebt
in  ihrem  Bericht  über  diese  festliche  Rede  mit  besonderer  Theilnahme
  den  Zug  hervor,  wie  der  König  in  seiner  Freude  über
den  Sieg,  dem  Gesandten  an’'s  Ilerz  legt,  einen  Mann  wie  Pethion
„warm  zu  halten.“

Der  Kampf  zwischen  Mirabeau  und  seinen  Gegnern  und
deren  demokratischen  Waflengefährten,  den  beiden  Lameth’s,
dauerte  vom  15.  bis  zum  22.  Mai  und  endigte  mit  dem  Beschluss,
dass  die  Versammlung  nach  dem  der  Nation  zustehenden  Recht
über  Krieg  und  Frieden  zu  beschliessen  hat.  Dem  König  blieb