200  Friedrich  Wilhelm  II,  König  von  Preussen  und  Danton.

Festungen  im  Rücken  und  zur  Seite  liegen  lassen  und  auf  einem
dünnen  Faden  gegen  den  Heerd  der  Revolution  vorrücken  wollte,
nur  aus  seiner  Überzeugung  erklären,  dass  er  sich  dem  Feinde  nur
zu  zeigen  brauche,  um  ihn  zu  sich  herüberzuziehen.

Die  Truppen  Kellermann’s,  gegen  deren  Aufstellung  auf  der
Höhe  von  Valmy  der  Herzog  seine  Armee  mechanisch  aufstellte
und  ebenso  mechanisch  eine  Kanonade  von  etwa  sechs  Stunden
unterhielt,  stiegen  von  ihrer  Stellung  nicht  herab,  um  ihn  Frankreich
  zu  übergeben.  Damit  war  die  Anfrage  und  der  Feldzug  entschieden.
  Der  Herzog  hatte  nicht  geleistet,  was  die  öffentliche
Meinung  Europas  von  ihm  erwartet  hatte;  dagegen  waren  die
Franzosen  durch  ihr  männliches  Feststehen  gegen  die  Musterarmee
  der  damaligen  Zeit  in  ihren  eigenen  Augen  und  in  der
Meinung  Europas  gestiegen.  Die  Wechselfälle  eines  ernsten  Angriffs
  auf  die  Stellung  des  hartnäckigen  Feindes  getraute  sich
der  Herzog  nicht  zu  wagen,  da  selbst  ein  blutiger  Sieg  die  bereits
erschöpfte  Armee  nur  noch  mehr  geschwächt  und  der  Versuch,
den  Vormarsch  auf  Paris  fortzusetzen,  sie  dem  Untergange  zugeführt
  hätte.  Der  Gedanke,  am  21.  den  Kampf  wieder  aufzunehmen,
  verbot  sich  selbst,  da  die  Munition  erschöpft  war
und  Tempelhof  die  beiden  anderen  Chargirungen,  welche  die
Armee  mit  sich  führte,  bei  den  Parkcolonnen  in  Luxemburg,
Longwy  und  Verdun  verzettelt  hatte.

An  die  Stelle  der  militärischen  Action  traten  Unterhandlungen,
  von  denen  allein  sich  die  Rettung  aus  dieser  Stockung
erwarten  liess.  Braunschweig  hatte  schon  am  15,  als  er  die
Umgehung  der  linken  französischen  Flanke  ausgeführt  und  die
feindliche  Armee  von  Rheims  und  Chalons  abgeschnitten  hatte,
Massenbach  nach  Grandpre  geschickt,  um  Dumouriez  zu  einer
Unterredung  einzuladen.  Dieser  war  zwar  der  Conferenz  ausgewichen
  und  hatte  sich  auch  schon  für  den  folgenden  Tag  versagt;
  der  Abgesandte  des  Herzogs  hörte  aber  von  dem  würdigen,
sechzigjährigen  und  seit  1745  in  Dienst  stehenden  General  Duval,
der  ihn  an  Stelle  des  Oberfeldherrn  empfing,  Alles,  was  dieser
ihm  hätte  eröffnen  können,  und  das  ganze  'Thema,  welches  bald
darauf  in  den  Verhandlungen  von  Valmy  erörtert  wurde.  Jener
Hochachtung  einflössende  und  mit  dem  ruhigsten  Selbstvertrauen
auftretende  Mann  fragte  den  Boten,  wie  sich  nur  der  König  von
Preussen  mit  einer  feindlichen  Macht,  dem  treulosen  Österreich,
gegen  seine  natürlichen  Bundesgenossen  verbinden  könne.