2.)  Die  Rheincampagne  von  1793  und  Danton’s  Friedeusarbeiten.  205

XIX.

Friedrich  Wilhelm  Il.,  König  von  Preussen  und  Danton.

2.)  Die  Rheincampagne  von  1793  und  Danton’s  Friedensarbeiten.

Das  Zusammentreffen  bei  Valıny  war  mit  seinem  unentschiedenen
  Ausgang  für  die  preussische  Armee  verderblicher,
als  eine  entschiedene  Niederlage  hätte  sein  können.  Ein  empfindlicher
  Schlag  hätte  die  Armee,  die  schon  im  bayerischen  Erbfolgekrieg
  sammt  ihrem  königlichen  Oberfeldherrn  einem  schleichenden
  Marasmus  anheimgefallen  war,  vielleicht  aus  ihrer
Erstarrung  :  herausgerissen  und  zur  Ermannung  geführt;  der
träge  Kanonendonner  aber,  auf  den  sich  die  Offenbarung  ihrer
gerühmten  Tüchtigkeit  beschränkte,  war  nicht  im  Stande  gewesen,
  die  schwere  Luft,  die  auf  ihren  Reihen  lastete,  zu
zerstreuen.  Die  beiden  Heerhaufen  auf  dem  Windmühlenberg
von  Valmy  und  an  dessen  Absenkung  glichen  zwei  fahrenden
Rittern,  die  einander  zur  Fehde  aufgesucht  hatten  und  erstaunt
stille  hielten,  als  sie  sich  eines  Morgens  in  einem  dichten  Nebel
plötzlich  gegenüberstanden.  In  einer  Art  Versteinerung  beobachteten
  sie  einander;  als  aber  derjenige,  der  aus  weiter  Ferne
gekommen  war  und  dem  Anden  schon  Monate  vorher  seinen
Fehdebrief  zugeschickt  hatte,  nur  seine  Drohungen  wiederholte
und  dem  Ilandgemenge  auswich,  konnte  der  Andere  sich  des
Sieges  rühmen  und  die  Sonne,  die  endlich  den  Nebel  zerstreute,
begrüsste  zuerst  seine  Waffenrüstung  und  umgab  ihn  auf  seiner
Höhe  mit  einer  leuchtenden  Glorie.

Diejenigen  französischen  Adligen  hatten  Recht  gehabt,  die
den  König  Friedrich  Wilhelm  und  den  Herzog  von  Braunschweig
während  des  Sommers  mit  ihren  (von  Massenbach  mitgetheilten)
Denkschriften  bestürmten  und  vor  einem  Einfall  in  Frankreich,
welcher  die  militärische  Kraft  der  revolutionären  Nation  nur
erwecken  und  den  Sturz  Ludwigs  beschleunigen  würde,  sowie
vor  dem  Bündniss  mit  Österreich  gewarnt  hatten.  Das  Unglück
war  cher  eingetroffen,  als  die  Warmer  erwarteten,  und  am  Tage
von  Valıny  eröffnete  sich  bereits  der  Quell  des  Verderbens,
welches  die  Armee  in  der  Rheincampagne  der  Jahre  1793  und
1794  heimsuchte.